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Zu viele Schlupflöcher: Wie Chefs beim Mindestlohn tricksen

Zu viele Schlupflöcher: Wie Chefs beim Mindestlohn tricksen

Gesetz hat noch zu viele Schlupflöcher

Der Mindestlohn von 8,50 Euro gilt seit dem 1. Januar, aber längst nicht jeder Arbeitnehmer bekommt ihn auch. Viele Chefs laufen zu kreativer Höchstform auf, um ihn auszuhebeln. Inzwischen gibt es sogar Anwaltskanzleien, die Unternehmen beraten, wie das am besten klappt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat eine Hotline eingerichtet, bei der täglich bis zu 400 Anrufe von Arbeitnehmern eingehen, deren Arbeitgeber den Mindestlohn nicht zahlen wollen.

Wie Chefs beim Mindestlohn tricksen
Bei der Mindestlohn-Hotline des DGB melden sich viele verunsicherte Arbeitnehmer.
dpa, Jens Wolf

So will einer den zusätzlichen Lohn sogar in Saunagutscheinen auszahlen, und es mehren sich auch Beschwerden von Zeitungszustellern: Sie sollen ihre Arbeitsverträge auf minderjährige Familienmitglieder umschreiben, für die der Mindestlohn nicht gilt. Das Mindestlohn-Gesetz hat offenbar noch zu viele Schlupflöcher.

"Für uns ist das ein Schuss nach hinten."

Ein beliebter Trick sind außerdem falsche Listen. Die Arbeitszeit, etwa auf dem Bau, muss seit Jahresbeginn minutiös dokumentiert werden. Hier schummeln viele Arbeitgeber und schreiben zu wenig auf. Der DGB rät: Der Arbeitnehmer sollte selbst alles dokumentieren und bei Problemen gemeinsam mit Gewerkschaften den Lohn durchsetzen.

Ein weiterer Kniff: Unternehmen kündigen ihren Angestellten und lassen sie nur als Selbständige weiterarbeiten. Oft geschieht dies in der Taxi-Branche. Ein Fahrer sagt: "Für uns ist das ein Schuss nach hinten." In mehreren Branchen wird den Mitarbeitern laut Gewerkschaft zudem "geraten", das Trinkgeld auf den Mindestlohn anzurechnen. Dies sei nicht in Ordnung.