Zu teuer

Nordseeinsel Wangerooge verzichtet aufs Kleingeld

© dpa/dpaweb, A3615 Patrick Lux

9. November 2019 - 17:14 Uhr

Nordseeinsel Wangerooge will Cent-Münzen aussortieren

Auf der Nordseeinsel Wangerooge müssen Bewohner und Urlauber künftig ohne Kleingeld auskommen. Der Grund: Die Volksbank Jever will die Geschäfte auf der Insel nicht mehr mit 1-,2- oder 5-Cent Münzen beliefern - zu teuer, heißt es.

Wirtschaft ist aber skeptisch

Fußgängerzone Zedeliusstraße mit Café Pudding, Wangerooge, Ostfriesische Inseln, Nordsee, Niedersachsen, Deutschland, Europa
Kupfermünzen verlieren auf der Insel nicht ihre Gültigkeit, heißt es.
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Wer Urlaub auf der Nordseeinsel Wangerooge macht, kann künftig das ganz kleine Geld zuhause lassen. Denn die Inselverwaltung stellt die Lieferung der Kleinmünzen ein. Stattdessen sollen die Preise beim Bäcker oder im Supermarkt auf- oder abgerundet werden - oder der Kunde zahlt gleich bargeldlos. Die Wirtschaft ist aber skeptisch. Und die anderen ostfriesischen Inseln und die dort vertretenen Banken vom Festland machen das Experiment nicht mit.

Aber: Kupfermünzen verlieren auf der Insel nicht ihre Gültigkeit, heißt es. "Einseitig können gesetzliche Zahlungsmittel nicht aus dem Verkehr genommen werden", sagte eine Sprecherin der Bundesbank in Frankfurt. Andererseits herrsche Vertragsfreiheit zwischen Händlern und Kunden. Bestimmte Zahlungsweisen könnten vereinbart werden. Oft nehmen Tankstellen aus Sicherheitsgründen keine großen Banknoten an.

Transport der Münzrollen sei für die Bank zu teuer

11.08.2018, Niedersachsen, Wangerooge: Badende stehen in den Wellen am Strand der Nordseeinsel. (zu dpa "Super-Sommer beschert Nordwesten großen Touristen-Ansturm" vom 11.08.2018) Foto: Peter Kuchenbuch-Hanken/dpa
11.08.2018, Niedersachsen, Wangerooge: Badende stehen in den Wellen am Strand der Nordseeinsel. (zu dpa "Super-Sommer beschert Nordwesten großen Touristen-Ansturm" vom 11.08.2018) Foto: Peter Kuchenbuch-Hanken/dpa
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"Wir schaffen gar nichts ab", stellt auch Martin Schadewald klar, einer von drei Vorständen der Volksbank Jever. Die Kleinmünzen sollten nur möglichst nicht genutzt werden. "Die Insel ist besonders, weil wir dort hohe Kosten haben." Der Transport der Münzrollen sei für die Bank wie für die Firmenkunden teurer als der Geldwert.

Und Kleinvieh macht eben doch Mist. "Wir bringen jedes Jahr etwa zehn Tonnen Hartgeld hinüber", rechnet Schadewald vor. Zurück sei es mehr, weil die Münzen aus den Portemonnaies der Feriengäste dazu kämen. Nach Wangerooge müssten die Geldkuriere meist mit dem Flugzeug fliegen, weil die Fähre abhängig von den Gezeiten verkehre.

Für Bäcker ein Verlustgeschäft

08.04.2018, Niedersachsen, Wangerooge: Zwei Frauen sitzen auf einer Bank und schauen zum Strand. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
"Ich kann ja nicht auf einmal die Brötchen fünf Cent teurer machen", sagt ein Bäcker.
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Die Entscheidung versetze die örtliche Wirtschaft in Unruhe, sagt Mike Kruse, Inhaber der Inselbäckerei Kruse auf Wangerooge. Einige Kollegen überlegten, selber aufs Festland zu fahren, um Wechselgeld zu besorgen. Für sein Geschäft reiche das von den Kunden eingenommene Kleingeld zum Wechseln, sagt Kruse. Aber er bepreist seine Brötchen in Fünf-Cent-Schritten. Eine Rundung auf zehn Cent sei schwierig. "Ich kann ja nicht auf einmal die Brötchen fünf Cent teurer machen. Und bei fünf Cent weniger schneide ich mir ins eigene Fleisch."

Die Deutschen hängen in ihrem Bargeld

Generell hängen die Deutschen an ihrem Bargeld. Drei Viertel aller Transaktionen, meist kleinere Beträge, werden bar gezahlt, ergab eine Studie der Bundesbank 2017. Doch beim Umsatz machte Bargeld mit 48 Prozent erstmals weniger als bargeldloses Zahlen aus.

Bankvorstand Schadewald verweist dagegen auf die Niederlande oder Skandinavien, sie seien beim Verzicht auf Münzgeld weiter. Er hofft, dass der Versuch auf Wangerooge Schule macht. "Es könnte auch ein Projekt sein, die Insel komplett bargeldlos zu machen", sagt er.