Zu Besuch in deutschen Wohnzimmern: Diese Ängste haben die Deutschen in der Flüchtlingsfrage

22. Juni 2016 - 15:46 Uhr

"Die Angst, rechts zu stehen, ist sehr groß"

Das Thema 'Flüchtlinge' bewegt die Deutschen. Jeden Monat erreichen RTL viele Briefe von Zuschauern, die an der Berichterstattung zweifeln oder einfach ihren Gefühlen Luft machen. Reporter Thorsten Misler begibt sich auf eine Reise in deutsche Wohnzimmer, um mit den Absendern der kritischen Briefe über deren Ängste und Sorgen in der Flüchtlingsfrage zu sprechen. Anschließend konfrontiert RTL Innenminister Thomas de Maizière (CDU) mit den Befürchtungen der Menschen.

Die Ängste der Deutschen in der Flüchtlingsfrage.
Im vergangenen Jahr flohen rund eine Millionen Menschen nach Deutschland.
© dpa, Peter Kneffel

Josef Mooseder (48), der im bayerischen Dachau ein kleines Lottogeschäft führt, hatte eine wütende Mail geschrieben, weil 'Gute Zeiten, schlechte Zeiten'-Darsteller einen Flüchtling gemimt hatte. Dass dieser gut Deutsch sprach, stuft Mooseder als unrealistisch ein. "Ein gut gebildeter Deutsch sprechender Asylbewerber und morgen kommt das Christkind. Die Bevölkerung ist nicht dumm", bemängelt Mooseder.

Als Misler ihm gegenübersteht, sagt er "Ich verstehe das. Gemessen an dem, was die Flüchtlinge in ihrer Heimat durchleiden müssen, sind es eigentlich zu wenige. Aber man muss auch realistisch sein: Es geht auch um Kosten. Die ganzen Jahre zuvor hatten wir nicht einmal Geld, um Löcher in den Straßen zu schließen", meint Mooseder. Dass nun etwa eine Millionen Menschen nach Deutschland geflohen seien, ziehe massive Kosten nach sich. Obwohl der Ladenbesitzer die Flüchtlingspolitik skeptisch betrachtet, will er nicht als rechtsradikal abgestempelt werden. "Die Angst, rechts zu stehen, ist sehr groß", sagt Mooseder.

Innenminister Thomas de Maizière: "Wir haben einen Plan"

Als Misler Innenminister de Maizière mit den Gedanken des Mannes aus Bayern konfrontiert, zeigt dieser Verständnis für die Befürchtungen. "In der Gefühlslage teile ich das, was Herr Mooseder sagt." Aber de Maizière sagt auch, dass Deutschland als reiches Land die Kosten für Flüchtlinge tragen könne. Keine Straße oder Schule werde deswegen weniger gebaut, sagt er.

Unser Reporter besucht auch Familie Kraft. Mutter Beate ist 50 und Erzieherin, Marie (19) ist, die 27-jährige Joy studiert. Eine weltoffene Familie, an deren Küchentisch auch ohne Kamera oft über Flüchtlinge diskutiert wird. Wird die Integration so vieler Flüchtlinge gelinge, fragt der Reporter. Sie hoffe es, sagt Beate. Allerdings glauben weder sie noch ihre Töchter daran. Beate Kraft. "Mich überfordert die Hilflosigkeit, auch meine eigene".

Der Innenminister beruhigt. "Wir haben einen Plan. Wir müssen jetzt die Rahmenbedingungen schaffen", sagt er. Dass es sofort und für alle Probleme eine Lösung gibt, erwartet Josef Mooseder ebenso wenig wie Familie Kraft. Wichtig ist ihnen wie vielen der RTL-Zuschauer, dass die Verantwortlichen ihre Ängste und Sorgen hören und ernst nehmen.