Zu Besuch in Berlin: Tsipras tritt bei Merkel an

24. März 2015 - 8:02 Uhr

Deutsche Firmen sollen Beamte bestochen haben

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras trifft in Berlin auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Nach den Streitereien und Querelen der letzten Tage bemühen sich beide Seiten um Signale der Entspannung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird Tsipras, den sie noch am Freitag in Brüssel gesehen hat, mit militärischen Ehren empfangen. Zusätzlich zu den bekannten finanziellen Problemen der Griechen gibt es allerdings zurzeit auch noch zwei Skandale, die das Treffen beeinflussen könnten.

Zu Besuch in Berlin: Tsipras tritt bei Merkel an
Tsipras kommt nach Berlin
© REUTERS, FRANCOIS LENOIR

Nach einem Bericht der Athener Sonntagszeitung «To Vima» soll der griechische Vize-Innenminister Giorgos Katrougalos als Anwalt entlassene Beamte vertreten haben, deren Wiedereinstellung er als Minister angekündigt hat. Als Honorar seien zwölf Prozent des Streitwerts vereinbart worden. Katrougalos die Vorwürfe zurück. Und nach einem Bericht der 'Bild' sollen deutsche Firmen griechische Beamte mit mehr als 100 Millionen Euro bestochen haben. Das griechische Verteidigungsministerium will deutsche Firmen wegen der Verwicklung in Korruptionsfälle auf mehrere hundert Millionen Euro Entschädigung verklagen. Gesprächsstoff ist also ausreichend vorhanden.

Nach der verbalen Eskalation der Vortage schlug der bereits am Sonntag angereiste griechische Außenminister Nikos Kotzias versöhnliche Töne an: "Es gibt eine langfristige Freundschaft und gemeinsame Interessen" beider Länder, sagte er der Deutschen Welle. "Das Wichtigste ist, dass man sich gegenseitig besser versteht, dass man die Stereotypen, die es gibt auf beiden Seiten, abbaut." Vizekanzler Sigmar Gabriel erhofft sich, wieder eine gemeinsame Arbeitsgrundlage zu finden. "Ich persönlich erwarte, dass wir wirklich einen Neustart schaffen", sagte der SPD-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister.

Gabriel: Hilfspakete haben in erster Linie die Banken gedient

"Beide Seiten müssen sich ehrlich machen. Die griechische Regierung muss klar erkennen, dass ja der Rest Europas, auch Deutschland, helfen will, aber dass wir das nicht ohne Gegenleistungen, ohne faire Verabredungen über die notwendigen Reformen tun können", so Gabriel weiter, umgekehrt gelte: "In der Vergangenheit haben die Hilfspakete vor allem Banken gedient, aber nicht den Menschen. Das glaube ich, müssen wir ändern."

Die von Links- und Rechtspopulisten getragene Athener Regierung hatte die Euro-Partner bei ihren Rettungsbemühungen für das pleitebedrohte in den letzten Monaten auf eine harte Probe gestellt. Sie machte vor allem Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für ein Spardiktat der internationalen Geldgeber verantwortlich, das vor allem ärmere Menschen treffe. Doch die Zeit drängt: Laut 'Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung' hat die griechische Regierung nur noch Geld bis zum 8. April.