Zschäpe-Verteidiger im NSU-Prozess: Sie war keine Mittäterin

24. April 2018 - 16:48 Uhr

Verteidiger weist alle Vorwürfe der Anklage zurück

Beate Zschäpe ist keine Mittäterin an den Morden und Anschlägen des NSU gewesen. Das erklärte zumindest der Vertrauensanwalt der 43-Jährigen, Herman Borchert. Alles, was die Bundesanwaltschaft in ihrem Plädoyer aufgezählt habe, reiche nicht um die Vorwürfe gegen seine Mandantin zu beweisen, sagte der Anwalt im Prozess vor dem Münchener Oberlandesgericht.

Anklage fordert lebenslange Haft für Beate Zschäpe

Die Verteidigung nach einigen Verzögerungen mit ihren Plädoyers begonnen. Die Bundesanwaltschaft und die Nebenkläger hatten ihre Schlussvorträge bereits Anfang Februar beendet. Die Anklage fordert für Zschäpe lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.

Die heute 43-Jährige war nach Überzeugung der Ankläger eines von drei gleichberechtigten Mitgliedern des "Nationalsozialistischen Untergrunds" und sollte deshalb als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen der Gruppe bestraft werden. Dazu zählen zehn Morde, neun davon aus rassistischen Motiven sowie ein weiterer an einer deutschen Polizistin.

NSU-Prozess zieht sich immer weiter in die Länge

Die Verteidiger-Plädoyers sind voraussichtlich die letzte Etappe des seit Mai 2013 laufenden Mammutverfahrens. Befangenheitsanträge und juristische Streitereien hatten deren Beginn in den vergangenen Wochen immer weiter verzögert. Es steht auch noch ein neuer Beweisantrag eines Mitangeklagten im Raum.

Die beiden Wunschverteidiger Zschäpes, Borchert und Mathias Grasel, werden für ihr Plädoyer nach eigener Aussage rund eineinhalb Prozesstage brauchen. Anschließend sollen nach bisheriger Planung des Oberlandesgerichts die drei Altverteidiger Zschäpes das Wort für ihre Schlussvorträge bekommen, dann die Anwälte der insgesamt vier Mitangeklagten.

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"Das kann so nicht weitergehen"

Das Gericht muss auch noch entscheiden, ob das Verfahren gegen einen der vier Mitangeklagten, André E., abgetrennt werden soll. Das hatten die Bundesanwaltschaft und der Anwalt des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben beantragt. Bundesanwalt Herbert Diemer warf E.s neuem Anwalt Daniel Sprafke vor, den Prozess "bis zum Sankt-Nimmerleinstag" verzögern zu wollen. "Das kann so nicht weitergehen", sagte Diemer. Auslöser für die neue Debatte waren neue Beweisanträge Sprafkes.


Quelle: DPA, RTL.de