Zschäpe distanziert sich von NSU-Verbrechen

3. Juli 2018 - 13:29 Uhr

"Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe"

Nach mehr als fünf Jahren steht der NSU-Prozess vor dem Abschluss. Am 11. Juli will das Oberlandesgericht München das Urteil gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte sprechen. Am Ende des NSU-Prozesses hat sich Zschäpe noch einmal von den Verbrechen ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt distanziert.

Sieht sich Zschäpe als Justizopfer?

"Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe", sagte die Hauptangeklagte in ihrem persönlichen Schlusswort vor dem Münchner Oberlandesgericht. Sie habe keine Kenntnis gehabt, warum die beiden Täter ihre Opfer an den verschiedenen Tatorten auswählten.

Eine Kombo aus Reproduktionen der Ostthueringer Zeitung aus dem Jahr 1998 zeigt Fahndungsbilder von Beate Zschäpe (v.l.), Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Nach den drei Personen wurde damls im Zusammenhang mit einem versuchten Sprengstoffanschlag an We
Fahndungsfotos von Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos
© dpa, Frank Doebert

Den Ermittlungen zufolge hatten Mundlos und Böhnhardt während der fast 14 Jahre, in denen das Trio im Untergrund lebte, zehn Menschen erschossen und zwei Sprengstoffanschläge verübt. Das Motiv war in fast allen Fällen Fremdenhass.

Bundesanwaltschaft sicher: Zschäpe ist Mittäterin

ARCHIV -  Ein Foto der in Heilbronn ermordeten Polizeimeisterin Kiesewetter steht am 30.04.2007 vor der Böblinger Stadtkirche St. Dionysius. An einer Trauerfeier in der Kirche nahmen damals Polizisten aus ganz Baden-Württemberg teil. Zwischen der vor
Foto der in Heilbronn ermordeten Polizeimeisterin Michele Kiesewetter vor der Böblinger Stadtkirche St. Dionysius (Archiv, April 2007)
© dpa, Norbert Försterling

Ein Mordopfer war die Polizistin Michele Kiesewetter  in Heilbronn. Der NSU-Prozess soll klären, welche Schuld Zschäpe und die Mitangeklagten dabei haben. Mundlos und Böhnhardt hatten sich das Leben genommen.

Die Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe als Mittäterin und hat lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung gegen sie beantragt. Zschäpes zwei Verteidigerteams halten sie für die Morde und Anschläge für unschuldig. Unterschiedlich sehen die Verteidiger Zschäpes Schuld an den anderen Straftaten: Ihre drei ursprünglichen Pflichtverteidiger halten lediglich eine Strafe für einfache Brandstiftung für angebracht, ihre beiden Wunschverteidiger höchstens zehn Jahre Gefängnis wegen Beihilfe bei zahlreichen Überfällen.


Quelle: DPA / RTL.de