Sie will nicht mehr fressen und liegt nur noch herum

Schafe sollen einsame Nashorndame Kanchi aufheitern

Nashorndame Kanchi hatte schon mal ein Schaf als Gesellschaft, bis das Tier 2019 schwer krank wurde.
© Mamunur Rashid/NurPhoto, STR

24. Januar 2021 - 10:31 Uhr

Einsame Nashorndame leidet unter Depressionen

Der Nashorndame Kanchi geht es gar nicht gut. Sie ist eine der Hauptattraktionen im Zoo von Dhaka in Bangladesch, aber sie ist in letzter Zeit sehr deprimiert, erzählt Zoowärter Farid Mia. Das Tier würde die Hälfte des Futters zurücklassen, die meiste Zeit nur in einem Graben liegen und stundenlang nicht auf seine Rufe reagieren. Sie brauche wirklich einen Partner, meint er. Vor rund sieben Jahren starb der Nashornbulle, mit dem sie sich das Gehege teilte. Zwei Schafe sollen die Nashorndame nun aus der Einsamkeit befreien.

Zoo sucht nach Parntner für das Nashorn-Weibchen

Eigentlich sucht der Zoo nach einem neuen Nashornpartner für Kanchi. Die 13-jährige Nashorndame ist fruchtbar – in Gefangenschaft hat sie gute Chancen 40 Jahre alt zu werden. Die Corona-Bedingungen würden die Partnersuche aber auch für Nashörner besonders erschweren, erklärte der Zoo. Darum muss Kanchi weiter auf einen Bullen warten. Weil ihre Depressionen aber immer schlimmer wurden, will der Zoo ihr jetzt trotzdem tierische Gesellschaft bieten und stellt zwei Schafe mit ins Nashorngehege.

Das habe schon mal funktioniert, sagte Zoodirektor Abdul Latif der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem Tod ihres ersten Partners leistete ihr auch ein Schaf Gesellschaft. Es konnte das einsame Nashorn jahrelang aufheitern, bis das Schaf 2019 schwer erkrankte. Jetzt sorgen zwei neue Schafe für Ablenkung, bis ein passender Bulle für Kanchi gefunden ist.

Nashorn-Partnerin vielleicht sogar noch besser für einsame Nashorndame

Auch andere Zoos hätten schon Nashörner mit Huftieren in ein Gehege platziert, sagt Artenschutzexperte James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund. Das könne funktionieren, sei aber nicht immer unproblematisch, da es in Einzelfällen zu Angriffen gegenüber den anderen Tierarten kommen könne.

Ob Kanchis Verhaltensänderung tatsächlich auf einen Mangel an Kameraden oder etwa auf andere Aspekte ihrer Haltungsbedingungen zurückzuführen seien, sei schwer zu sagen, sagt die Leiterin Tierrettung bei der Tierschutzorganisation IFAW, Katie Moore. Nabu-Artenschutzexpertin Barbara Maas ergänzt, dass Breitmaulnashörner wie Kanchi eine komplexe Sozialstruktur hätten.

Weibchen lebten eigentlich in Gruppen von bis zu 14 Individuen mit ihren Kälbern. Erwachsene Bullen seien hingegen territorial und lebten meist als Einzelgänger. Sie fände also eine Nashornpartnerin besser. Dies schlage auch die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) auf ihrer Internetseite für die Haltung vor.

Quelle: dpa, RTL.de