Nach Brand im Krefelder Affenhaus

Trifft den Verkäufer der Himmelslaternen eine Mitschuld?

Eine Himmelslaterne wie diese soll den Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos ausgelöst haben.
© dpa, Fabian Strauch, fst wst

06. Januar 2020 - 9:54 Uhr

Himmelslaternen dürfen verkauft, aber nicht benutzt werden

Es war wohl eine Himmelslaterne, die das Feuer im Krefelder Affenhaus auslöste. Ursula Heinen-Esser, die nordrhein-westfälische Umweltministerin, sieht die Verantwortung für das Unglück aber nicht allein bei den drei Frauen, die die Himmelslaternen in der Silvesternacht verbotenerweise steigen ließen. Sie gibt auch dem Händler eine Mitschuld, der die Laternen verkauft hat. Sie sind nicht das einzige Produkt, das man in Deutschland zwar kaufen, aber nicht benutzen darf, wie wir im Video zeigen.

NRW-Umweltministerin will prüfen, ob Händler mitverantwortlich ist

"Wichtig ist auch die Frage, warum solche gefährlichen Gegenstände wie Himmelslichter bei uns so einfach in den Verkehr gebracht werden können, obwohl die Anwendung verboten ist", sagte die Ministerin der "Rheinischen Post". Sie kündigte an, der Sache nachzugehen. "Hier scheint mir das Handelsunternehmen, das diese Himmelslichter verkauft hat, zumindest moralisch in der Mitverantwortung zu stehen."

Gekauft hatten die Krefelderinnen die Laternen im Internet. Sie hätten nicht gewusst, dass es nicht erlaubt ist, sie auch steigen zu lassen, sagten die Mutter und ihre beiden erwachsenen Töchter im Polizeiverhör.

Verbraucherschützer fordern Hinweispflicht

Nach dem Brand im Krefelder Zoo
Bei dem Brand im Krefelder Zoo kamen fast alle Tiere im Affenhaus ums Leben.
© dpa, Marcel Kusch, mku

Warum dürfen Himmelslaternen bei uns überhaupt verkauft werden, wenn sie verboten sind? "Das Problem ist, dass der Gesetzgeber immer so wenig wie möglich versucht zu verbieten", erklärt Anwalt Mathias Schult. "Häufig sind Produkte ja auch legal einzusetzen mit Ausnahmegenehmigungen", erklärt er.

Das Problem ist aber, dass Hersteller und Händler nicht verpflichtet sind, auf Verbote hinzuweisen. Wenn man Glück hat, findet sich eventuell im Kleingedruckten ein Hinweis. Daher rät Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW, sich genau zu informieren, vor allem wenn man ein Produkt im Ausland kauft. Denn: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. "Es kann einem immer wieder passieren, dass man im Ausland irgendwelche technischen Geräte kauft, deren Einsatz dort erlaubt, hier aber verboten ist", erklärt er.

Verbraucherschützer fordern darum deutliche Hinweise für Produkte, die in Deutschland zwar verkauft, aber nicht verwendet werden dürfen. Damit die Kunden zumindest wissen, dass sie sich bei der Benutzung strafbar machen können.