Zoo in Dänemark tötet gesunde Giraffe Marius – Die Proteste sind groß

01. Juli 2014 - 13:38 Uhr

Zoo verteidigt sein Vorgehen

Der Fall hatte international für Aufmerksamkeit gesorgt. Doch auch tausende Unterschriften in einer Online-Petition konnten Marius am Ende nicht retten: Weil der Zoo-Bestand bereits zu groß war, musste die Giraffe sterben.

Angst vor Inzucht: Zoo in Dänemark tötet Giraffe Marius
Ein Löwe frisst die Überreste von Giraffe Marius, nachdem diese zuvor getötet worden war.
© dpa, Kasper Palsnov

Der knapp zwei Jahre alte Giraffenbulle Marius ist tot. Nach Angaben des Zoos im dänischen Kopenhagen musste das gesunde Tier sterben, weil der Bestand der Giraffen bereits zu groß war: Inzucht drohte. Obwohl die Entscheidung des Zoos in einem Fall wie diesem nicht unüblich ist, waren die Proteste groß. In einer Online-Petition wurden tausende Unterschriften für das Überleben der Giraffe gesammelt. Vor dem Tierpark versammelten sich Tierschützer zu einer Demonstration. Der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau zufolge hatten Unbekannte dem Zoodirektor sogar gedroht. Außerdem fordern die Organisatoren der Petition die Absetzung von Zoo-Direktor Bengt Holst.

Der Zoo verteidigte sein Vorgehen: "Diese Situation kennen wir von anderen Tierarten, bei denen die Zucht gut läuft", erklärte Holst. Die Tötung solle gewährleisten, "dass wir auch in Zukunft eine gesunde Giraffenpopulation in Europas Zoos haben werden". In einen anderen passenden Zoo konnte Marius den Angaben zufolge nicht gebracht werden, weil auch dort die Gefahr der Inzucht zu groß gewesen wäre.

Besucher des Tierparks konnten die Obduktion des Tieres mitverfolgen. Auf Fotos war zu sehen, wie Teile der Giraffe an Löwen verfüttert wurden.

Kritik auch an umgekehrtem Fall der Inzestverpaarung

Anfang des Jahres stand der umgekehrte Fall in der Kritik, nachdem ein Giraffenbaby im Berliner Zoo kurz nach der Geburt gestorben war. Das Junge, so lautete der Vorwurf, sei das Ergebnis einer Inzestverpaarung und deshalb nicht lebensfähig gewesen. Bereits zum vierten Mal sei die Giraffenkuh Paula von ihrem Vater gedeckt worden - alle Kälber seien tot zur Welt gekommen. Der Zoo dementierte das.

Dennoch warf Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling den Verantwortlichen damals vor, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben: "Inzest, also die Verpaarung von Blutsverwandten, führt bei Nachkommen zwangläufig zur genetischen Degeneration und zu Krankheiten", so die Politikerin.

Der Direktor des Tiergartens Nürnberg Dag Encke antwortete auf die Frage, ob es üblich sei, dass getötete Zootiere an andere Zootiere verfüttert würden: "Ein vernünftiger Grund zum Töten ist das Verfüttern. Der Zoo braucht dann kein Fleisch aus Massentierhaltung zu holen, sondern verfüttert bestes Biofleisch aus dem eigenen Betrieb."