Sechs bis sieben Stunden Ausharren auf Casino-Parkplatz in Trier

Kind (3) stundenlang im Auto gelassen: Das sagt der Spielhallen-Betreiber zu den Zocker-Eltern

14. September 2020 - 9:35 Uhr

Eltern verspielten ihr Geld ungestört in der Zockerbude

Dieses Elternpaar spielte lieber am Automaten, statt mit seinem Kind: Weil die Erwachsenen aus Trier (Rheinland-Pfalz) ungestört in der Spielothek zocken wollten, ließen sie ihr drei Jahre altes Kind den Großteil seiner wachen Stunden auf dem Spielhallen-Parkplatz im Auto zurück. Mehrere Tage pro Woche, bis zu sieben Stunden am Tag harrte das Kleinkind aus, während die Eltern ihr Geld verzockten. RTL konfrontierte den Casino-Betreiber mit dem unglaublichen Vorfall auf seinem Betriebsgelände.

Casino-Mitarbeiter entdeckte das Kind im Auto

Mario Hoffmeister, Sprecher der Gauselmann AG, bedauert den unfassbaren Vorfall vor dem Merkur-Casino in Trier
Mario Hoffmeister, Sprecher der Gauselmann AG, bedauert den unfassbaren Vorfall vor dem Merkur-Casino in Trier
© Gauselmann AG

"Gott sei Dank ist das einem unserer Mitarbeiter aufgefallen", sagt Mario Hoffmeister, Sprecher der Gauselmann AG, dem Betreiber der Merkur-Casinos. "Dort kam es am Samstag offensichtlich zu einer Kindeswohlgefährdung."

Er zu RTL: "Einem Mitarbeiter ist das Verhalten der Mutter aufgefallen, die öfter die Filiale verlassen hat. Daraufhin hat er sich selbst ein Bild von der Situation gemacht, hat festgestellt, dass dort ein kleines Kind im Auto auf dem Parkplatz war und hat sofort die Polizei eingeschaltet, die diesen Fall aufgenommen hat."

"Das ist ein absolutes No-Go!"

Befragungen der Polizei in der nahe gelegenen Spielhalle haben dann ergeben, dass der 37 Jahre alte Vater und die 22 Jahre alte Mutter ihren Sprössling mehrmals pro Woche stundenlang im Auto zurückgelassen hätten, um an Automaten zu spielen. Wie das Kind in der Zwischenzeit versorgt wurde, wie es die vielen einsamen Stunden verbrachte oder weshalb Anwohner, Mitarbeiter der Spielhalle oder Passanten nicht früher handelten, ist noch unklar.

Doch Merkur-Sprecher Hoffmeister beteuert: "Unsere Mitarbeiter werden zu vielerlei Präventionszwecken geschult." Es sei aus Betreiber-Sicht "völlig unverständlich, wie man so etwas machen kann": "Wir hoffen, dass sowas weder vor unserer Filiale, noch woanders nochmal passiert. Das ist ein absolutes No-Go!"

Jugendamt und Polizei kündigen Konsequenzen an

Aber: "Dass die Familie dort 5 bis 6 Mal pro Woche war, können wir nicht bestätigen. Sie waren wohl 1 bis 2 Mal pro Woche da. Erstmals nach dem Lockdown." Dann soll das Kind aber oftmals sechs bis sieben Stunden lang im Wagen allein gelassen worden sein.

Im Gespräch mit RTL zeigten sich mehrere Gäste der Spielhalle sichtlich schockiert: "Ich empfinde Hass, das ist für mich nicht nachvollziehbar", sagt ein Mann. "Wenn man Kinder in die Welt setzt, muss man sich auch um sie kümmern." Ein anderer Besucher zu RTL: "Insbesondere im Sommer, wenn die Sonne die ganze Zeit auf das Auto scheint, ist das Verhalten völlig verantwortungslos."

Nun droht den Eltern ein Strafverfahren. Auch das Jugendamt wurde eingeschaltet, wie die Polizei bestätigte. "Konsequenzen erwarten die Eltern nun nicht nur durch ein Strafverfahren, sondern auch durch das Jugendamt."

Erst im August rettete ein Mann auf Fehmarn ein Baby aus einem Auto, in dem bei strahlendem Sonnenschein Gluthitze herrschte. Lesen Sie hier, warum die Reaktion des Vaters den Baby-Retter und die Polizei in dem Fall sprachlos machte.