Zivilcourage: So helfen Sie sinnvoll

Ein junges Paar streitet sich auf einer Straße in Berlin, aufgenommen am 02.12.2006 (Symbolbild zum Thema Jugend, Jugendliebe, Freundschaft, Streit). Foto: Jörg Lange - Model release vorhanden - +++(c) dpa - Report+++
Junges Paar in Berlin
picture-alliance/ ZB, Jörg Lange

Belästigungen, Schmährufe, Pöbeleien, aber auch Handtaschenraub, Körperverletzungen am hellichten Tag in der Öffentlichkeit und Diebstähle - das alles passiert nicht selten. Insbesondere die Zahl von Gewalthandlungen und Körperverletzungen im öffentlichen Raum steigt.

Mit den schlimmen Übergriffen wächst die Angst der Menschen. Viele fühlen sich an öffentlichen Orten längst nicht mehr sicher. Und helfen, wenn andere gearde zum Opfer werden? Lieber nicht...

Zur Verbesserung der Sicherheit ist jedoch in gewisser Weise der Einsatz von jedem einzelnen gefordert. Die Polizei bestätigt, dass sie in einer Vielzahl der Fälle auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen ist. Gerade Delikte der Straßenkriminalität wie Raub, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl, aber auch Belästigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Pöbeleien ereignen sich häufig unter den Augen der Öffentlichkeit und bieten somit dem Einzelnen die Möglichkeit, einzuschreiten und Hilfe zu leisten. Allerdings mit Bedacht. Denn falsches Engagement kann einen selbst in große Gefahr bringen.

Wie verhalten Sie sich in solch brenzligen Situationen? Wie zeigen Sie Zivilcourage, ohne die Nerven zu verlieren?

■ Wichtig ist: Zivilcourage ist nicht gleich Heldentum. Vielmehr genügen oft schon Kleinigkeiten, um eine große Wirkung zu erzeugen. Manchmal reicht es bereits, das Handy zu benutzen und Hilfe zu holen oder weitere Passanten um Unterstützung zu bitten.

■ Formen der Straßenkriminalität wie Raub, Körperverletzung, Belästigung, Sachbeschädigung oder Diebstahl erfordern meist eine unterschiedliche Vorgehensweise. Es schadet aber niemals für Verstärkung zu sorgen. Organisieren Sie Hilfe unter der Notrufnummer 110 und schildern Sie den Vorfall. Beim Handy funktioniert diese Notrufnummer sogar, ohne dass eine SIM-Karte eingelegt oder die PIN-Nummer eingegeben ist. Auch an einem Telefonhäuschen ist die Notrufnummer kostenlos.

■ Beobachten Sie den Tathergang genau und prägen sich Täter-Merkmale ein.

■ Kommt eine Person ganz offensichtlich in Bedrängnis oder sogar zu schaden, machen Sie auf die Situation aufmerksam. Fordern Sie andere laut, aktiv und direkt zur Mithilfe auf. Entschlossenheit macht Eindruck. Andere Zeugen sind wahrscheinlich genauso unsicher, wie sie helfen sollen.

■ Versuchen Sie die Lage einzuschätzen. Können Sie dazwischen gehen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Niemand sollte sich selbst zusätzlich gefährden. Wenn Sie selbst zum Opfer werden, ist niemandem geholfen.

Überlegen sie: Sind Sie der Sache gewachsen? Welche Hilfsmöglichkeiten haben Sie? Wer kann Sie unterstützen?

■ Die Täter niemals unterschätzen. Sie mögen ja noch so ein begabter Rhetoriker und Streitschlichter sein. Das ist keine Garantie für die Auflösung des Konflikts. Die erste Reaktion bei vielen Menschen, die helfen wollen, ist, die Täter anzusprechen und sie mehr oder weniger aggressiv zum Aufhören aufzufordern. Doch die Gefahr ist nicht klein, dass dadurch die Situation brisanter wird. Deswegen, wenn möglich auf Mithilfe bauen.

■ Kümmern Sie sich in Abstimmung mit anderen Menschen um mögliche Opfer. Das gilt nicht nur für Verletzte, sondern auch hinsichtlich einer Deeskalation. Versuchen Sie, den Bedrängten aus dem Geschehen herauszuholen. Geben Sie der Person beispielsweise vorsichtig die Hand.

■ Stellen Sie sich der Polizei als Zeuge zur Verfügung.