Zeit ist Geld, gerade in der Pflege – was bringt die Pflegereform?

04. Juli 2014 - 11:03 Uhr

Gröhe will "einen guten Schritt nach vorne gehen"

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verbindet mit seinem Entwurf für die Pflegereform klare Vorstellungen: "Es kommt darauf an, dass wir 20 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung einen entscheidenden, einen guten Schritt nach vorne gehen", sagte er bei der ersten Lesung des Gesetzes im Bundestag.

Was bringt die Pflegereform?
Viele Pflegebedürftige wünschen sich von ihren Betreuern mehr Zeit, das aber kostet.
© dpa, Frank Rumpenhorst

Anders und etwas konkreter formulieren die Menschen, die Pflege erhalten, ihre Wünsche: "Ich bin immer froh, wenn jemand kommt, dass ich auch mal ein bisschen erzählen kann", sagt zum Beispiel eine Rentnerin, die von der Pflegerin Johanna Bachmann betreut wird. Die aber weiß genau, dass der Wunsch nach mehr Zeit oft ein unerfüllbarer ist. Manchmal reicht die Zeit nur dafür, das Essen durch das Fenster zu reichen.

Denn die Kosten, die die Pflegekasse bislang erstattet, erlauben kaum echte Zuwendung: "Es ist schon blöd für einen, wenn man dann auf die Zeit gucken muss und sieht, verdammt es ist schon wieder so spät", sagt die Pflegerin

Damit es den "guten Schritt nach vorne" gibt und die zu pflegenden Menschen "auch mal ein bisschen erzählen" können, soll sich einiges ändern und besser werden. Statt drei Pflegestufen, soll es fünf geben – und damit höhere Zuschüsse zur Pflege. Dazu soll es in Heimen fast doppelt so viele Betreuer wie bislang geben.

Bei der häuslichen Pflege soll es Entlastungen geben, wie zum Beispiel Lohnersatz, wenn man kurzfristig die Versorgung eines Angehörigen organisieren muss.

Pflegebeitrag steigt

Mehr Geld und mehr Zeit für die Pflege haben jedoch ihren Preis. Der Beitragssatz soll 2015 von 2,05 auf 2,55 Prozent steigen, für Kinderlose von 2,3 auf 2,8 Prozent - das sind bei einem Brutto-Gehalt von 3.000 Euro monatlich 15 Euro mehr Belastung im Monat. Insgesamt sollen so sechs Milliarden Euro in die Pflegekasse fließen.

Mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr soll in den Vorsorgefonds fließen. Mit dem Geld sollen zu große Beitragsanhebungen verhindert werden, wenn die starken Geburtsjahrgänge der 'Babyboomer' ins typische Pflegealter kommen. Laut SPD-Gesundheitsexperte und Fraktionsvize Karl Lauterbach soll das Geld vor dem Zugriff der Politik sicher sein: "Wir legen das Geld bei der Bundesbank fest. Da kann der Staat gar nicht zugreifen." Das Geld solle wirklich für den geplanten Zweck verwendet werden. "Sonst wäre das eine Lachnummer", sagte Lauterbach.