30 Prozent der Retouren landen im Müll

Zehn Teile bestellt, drei behalten: Ja, ich habe Shopping-Bulimie!

Ganz schön einfach, den Paketboten durch die Gegend zu schicken. Aber in Ordnung ist das nicht.
Ganz schön einfach, den Paketboten durch die Gegend zu schicken. Aber in Ordnung ist das nicht.
© iStockphoto, TODOR TSVETKOV

11. Dezember 2019 - 6:41 Uhr

von Jolanda Ost

Ach, herrlich! Während andere sich bei Gegenwind und Nieselregen durch die brechend volle Innenstadt schieben, liege ich bequem auf der Couch und bestelle online. Silvester steht an – habe ich mehr Lust auf ein Kleid oder doch auf einen Rock? "Egal", denke ich mir, einfach mal bestellen – ich kann ja alles zurückschicken, was nicht passt. Ja, das geht, aber die Konsequenzen sind krass. Und dass mir der Paketbote bei Wind und Wetter meine Klamotten bringen muss? Das ignoriere ich in dem Moment.

Ich entscheide mich oft bewusst dafür, ein T-Shirt in zwei Größen zu kaufen

Inzwischen wird jeder achte Online-Kauf rückabgewickelt – so das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbandes "Bitkom", aus der "Die Welt" zitiert. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre ist die Retoure-Quote um 20 Prozent angestiegen. Und ICH bin mit schuld! Wenn ich mein Kaufverhalten reflektiere, ist auch klar, warum: Es ist sooo simpel, gelieferte Ware an der nächsten Poststation wieder abzugeben. Deshalb entscheide ich mich oft ganz bewusst dafür, ein T-Shirt in zwei Größen zu kaufen. Oder ich bestelle ein Kleid, das nicht so ganz mein Geschmack ist, und denke mir: "Behalte ich wahrscheinlich eh nicht – aber wenn ich sowieso bestelle, kann ich es ja mal anprobieren."

Neuverpacken von Retouren? Das lohnt sich oft nicht

Und offensichtlich bin ich nicht die Einzige, die so egoistisch denkt: Laut einer aktuellen Umfrage von Greenpeace kauft jeder Zweite in Deutschland manchmal Waren im Internet mit der festen Absicht, sie zurückzuschicken. Bisher bin ich immer davon ausgegangen: Nicht so schlimm, habe ich ja nur kurz anprobiert – ist also quasi ungetragen und kann weiterhin verwendet werden. Falsch gedacht! 30 Prozent der Retoure-Ware landet im Müll und nie wieder im Verkauf, wie das Marktforschungsunternehmen "EHI Retail Institute" herausfand. Das Neuverpacken lohnt sich offenbar nicht. Klar. Traurig, aber wahr. So wirklich nachgedacht habe ich darüber ehrlich gesagt vorher noch nicht.

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Ich bin eine "Heavy-Shopperin" - und das nur, weil ich faul bin

Die Paketschlacht wird immer extremer. Mit bis zu elf Millionen Paketen pro Tag vermeldete DHL dieses Jahr einen Höchstwert im Dezember. Letztes Jahr waren es noch zehn Millionen. Wenn ich all diese Zahlen höre, fühle ich mich schlecht. Denn ich weiß, dass ich ein Teil des Problems bin. Dabei mache ich doch schon so viel: Ich probiere, nicht verschwenderisch zu leben, kein Essen wegzuwerfen, so gut es geht, auf Plastik zu verzichten.

Aber ich bestelle geschätzt vier bis fünf Mal im Jahr online. Und, zugegebenermaßen, schicke ich meistens einen Großteil wieder zurück. Alle zwei Monate mal ein paar neue Outfits bestellen ist ja nicht viel, andere bestellen viel öfter als ich – dachte ich. Wieder falsch. Denn Experten klassifizieren mich als "Heavy Shopperin". Eine Vielkäuferin. Klingt wie Vielfraß. Ist das ein Grund, sich zu schämen? Ich gebe zu, das Ganze ist mir unangenehm. Denn das Grundproblem ist meine Bequemlichkeit. Das meiste würde ich auch vor Ort bekommen, schließlich wohne ich in einer Großstadt.

Kleiner Schritt, große Wirkung

Bisher habe ich die Retoure so ausgenutzt, weil mir nicht bewusst war, welche Folgen das alles hat. Andererseits bietet der Handel die Option an, und es ist mein Recht als Kundin, Waren zurückzuschicken. Aber Fakt ist auch: Übermäßig Pakete zu bestellen, ist irgendwie unerwachsen, und lässt sich ganz einfach vermeiden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – und zwar nicht der zum nächsten Paketshop.