Zalando-Reportage von EXTRA: Die Reaktionen im Internet

02. Mai 2014 - 17:53 Uhr

Zalando-Reportage: Die Reaktionen im Internet

Die Journalistin Caro Lobig hat drei Monate lang undercover als Lagerarbeiterin bei dem Online-Versandhändler Zalando in Erfurt gearbeitet. Nach der Ausstrahlung ihrer investigativen Reportage bei EXTRA am Montag, 14. April 2014, reagiert das Internet heftig. Sowohl bei Facebook als auch bei Twitter äußern sich Kunden, ehemalige Kunden und Mitarbeiter zur Reportage und zu den Zuständen bei Zalando. Aber auch auf der Facebook-Seite von Zalando erntet die erste offizielle Reaktion - "Puh, die Emotionen kochen ziemlich hoch, aber da müssen wir wohl durch" - viele erzürnte Reaktionen.

Zalando-Reportage von EXTRA: Die Reaktionen im Internet
© dpa, Bodo Marks

Greta Behrends findet dieses Statement wohl mehr als verunglückt und erntet mit ihrer Antwort große Zustimmung: "Was heißt denn hier: 'Puh, die Emotionen kochen ziemlich hoch!'! Nach einem solchen Bericht mal ein bisschen 'Puh' zu sagen und von 'hochgekochten Emotionen' zu sprechen zeigt, dass Ihr nichts, aber auch gar nichts begriffen habt! Euer Statement klingt verharmlosend und verallgemeinernd, 'Puh', sagt man zu kleinen Kindern, die versehentlich gepupst haben. Und das sind die Kunden scheinbar auch für Euch, kleine Kinder, die sich leicht besänftigen lassen und die man nicht ernst nehmen muss, aber Ihr solltet niemals die Masse unterschätzen. Und diesen Bericht haben viele gesehen, also schiebt euch Euer 'Puh' in Euren selbstgefälligen Sklavenhalter-Duktus."

Die Fans der EXTRA-Facebook-Seite sehen die Zustände bei Zalando ähnlich.

Silvia Muggli schreibt dort: "Diese Dokumentation sollte sich jeder einmal ansehen. Zudem haben die Zalando-Bosse noch nicht begriffen, wenn die Angestellten nicht mehr arbeiten, verdienen die big bosse auch kein Geld mehr. Sollen sie doch selber ihre Pakete einpacken und versenden. (...) Einfach nur traurig. Ich werde diese Doku teilen, teilen und nochmals teilen und hoffe, dass keiner, der das gesehen hat, keiner mehr bei Zalando bestellt."

Auch Anna Morrone empört sich: "Unmöglich - und unsere Regierung schaut tatenlos zu. Das ist Ausbeutung der Menschheit."

Steffi Mi fordert mehr Einflussnahme durch der Politik: "Dennoch ist solch ein Verhalten den Arbeitnehmern gegenüber unverantwortlich. Damit sowas nicht weiter möglich ist, müsste die Politik endlich einmal eingreifen und dafür sorgen, dass Arbeitnehmer besser geschützt werden. Schlimm empfinde ich aber auch die wachsende Empathielosigkeit einzelner Leute hier. Nur, weil es bei einigen ähnlich läuft, heißt das nicht, dass es nicht falsch ist. So etwas darf nicht hingenommen oder verharmlost werden, sondern muss dafür sorgen, dass politisch etwas geschieht. Schließlich sind wir alle noch Menschen und kein 'Nutzvieh'. Jeder Mensch hat ein Anrecht auf menschenwürdige Behandlung und die ist hier absolut nicht mehr gegeben. Ich bin entsetzt und werde Zalando und andere Mitbewerber boykottieren. Jedoch glaube ich, dass sich nur etwas ändern kann, wenn auch die Politik mitzieht und Profit-Maximierung unter solchen Umständen unter harte Strafen stellt."

Fans der Facebook-Seite von "EXPLOSIV" teilen sogar mit, Zalando von ihrer "Gefällt mir"-Liste verbannt zu haben und nie wieder dort zu bestellen:

Rebecca Yvonne-Chantal Zwiorek: "Die MUSS man boykottieren! Habe am späten Abend die Wiederholung von Extra gesehen und daraufhin sofort mein "Gefällt mir" der Zalando-Fb-Seite zurückgenommen und bis auf weiteres bestelle ich da nix mehr!"

Auch auf der Facebook-Seite von Punkt 12 sind sich die Fans ebenfalls einig:

Aley Benyusuf: "Es stimmt, unzumutbar sind diese Umstände! Es ist traurig, dass Firmen so mit Mitarbeitern umgehen können, ohne das irgendjemand was dagegen tut! Es gibt jedoch noch Dutzend weitere große Unternehmen die diese Schiene fahren und Mitarbeiter als Verbrauchsgut betrachten. Wo Menschem verheizt werden, nur für Profit! Arbeitsbedingungen, die einen auf Dauer wirklich krank machen und viele Menschen können nicht anders, als dies zu ertragen, weil sie auf das Geld und die Arbeit angewiesen sind. Absolut widerlich. Ich würde mir wünschen, dass ihr dies auch mal in anderen Bereichen machen würdet, um das Bewusstsein der Menschen zu stärken und die Missstände aufzudecken, die täglich überall passieren!"

Das sagt Zalando nach der Ausstrahlung

Zalando hat einen Tag nach der Ausstrahlung auch mit einer Pressemitteilung reagiert und zitiert darin die Ergebnisse einer internen anonymen Mitarbeiterbefragung. Die Firma distanziert sich zudem von der Darstellung der Reporterin.

"Am Abend des 14. April 2014 wurde in der TV-Sendung RTL Extra ein Undercover-Bericht über Zalando ausgestrahlt. Eine Journalistin hat von ihren Erfahrungen im Logistikzentrum berichtet und dabei deutliche Kritik an den Arbeitsbedingungen von Zalando geäußert. Aus unserer Sicht entspricht diese Darstellung in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung in der Logistik von Zalando. Unser Ziel und Anspruch bei Zalando ist es, ein guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber zu sein. Daran arbeiten wir jeden Tag gemeinsam mit unseren Mitarbeitern und fördern eine unternehmerische und partizipative Unternehmenskultur, in der jeder einzelne Mitarbeiter mitdiskutieren und mitgestalten kann."

Trotzdem möchte Zalando den Bericht zum Anlass nehmen, "genau zu prüfen, in welchen Punkten die Kritik des Berichts zutrifft und ob es sich hierbei um systematische Probleme oder Fehler Einzelner handelt."