700 Fällemehr als im Vorjahr

Zahl illegaler Autorennen in Deutschland steigt

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© dpa, Clemens Heidrich, kde

15. August 2020 - 9:10 Uhr

NRW ist trauriger Spitzenreiter

Mordurteile gegen Totraser, verstärkte Kontrollen, Sonderkommissionen, die ermitteln – sie können den Trend scheinbar nicht stoppen. Die Zahl der Raser und Rennfahrer auf Deutschlands Straßen wächst. Seitdem die Bundesregierung das Rasen 2017 zum Straftatbestand gemacht hat, sind die Fallzahlen in vielen Bundesländern zum Teil dramatisch gestiegen. Das zeigt eine Umfrage unter den 16 Bundesländern.

Auffällig viele Fälle in Berlin

Tödliches Autorennen in Berlin
Fahrzeugteile liegen nach einem Unfall bei einem illegalen Autorennen auf der Tauentzienstraße in Berlin. Foto: Britta Pedersen/Archiv
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Demnach zählte die Polizei in neun Bundesländern im Jahr 2019 rund 1.900 Fälle, etwa 700 mehr als ein Jahr zuvor. Darunter fallen neben illegalen Rennen auch Einzelraser, die mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs waren, und Flucht vor der Polizei bei Verfolgungsjagden. An der Spitze stand 2019 Nordrhein-Westfalen mit 659 Fällen - was allerdings auch nicht weiter erstaunt, da NRW mit 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungs- und autoreichste Bundesland ist.

Auffällig ist jedoch Berlin, das mit seinen 3,8 Millionen Einwohnern 2019 mit 390 Fällen auf Platz zwei liegt, noch vor Bayern (294) und Baden-Württemberg (252).

"Unfälle mit Rasern enden oft tödlich"

Ein Autowrack und mehrere Einsatzwagen der Rettungskräfte stehen am 16.08.2017 auf der Auobahn 29 bei Oldenburg (Niedersachsen). Bei dem Unfall wurden sieben Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. Mehrere Autofahrer hatten in der Rettungsgasse gew
Ein Autowrack und mehrere Einsatzwagen der Rettungskräfte stehen am 16.08.2017 auf der Auobahn 29 bei Oldenburg (Niedersachsen). Bei dem Unfall wurden sieben Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. Mehrere Autofahrer hatten in der Rettungsgasse gewendet.
© dpa, Nonstopnews

Das Phänomen Rasen hat viele Facetten: Früher gab es organisierte illegale Rennen, häufig langfristig geplant, oft mit internationalen Teilnehmern. "Diese Art der illegalen Autorennen wird seit mehreren Jahren nicht mehr festgestellt", sagt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums in München. Häufig sind dagegen kurzfristige Rennen oder spontane Aufeinandertreffen..

Politik und Polizei in Regionen mit aktiver Raserszene sind beunruhigt, ebenso Verkehrssicherheitsexperten. "Unfälle mit Rasern enden oft tödlich, und sie sind häufig auch auf Gleichgültigkeit gegenüber der Sicherheit anderer zurückzuführen", so  Verkehrssicherheitsforscher Jörg Kubitzki .

Experte beklagt zunehmende Rücksichtslosigkeit im Verkehr

Er sieht das Raserphänomen als extreme Ausprägung allgemein zunehmender Rücksichtslosigkeit im Verkehr: "Die Mehrheit der Autofahrer verhält sich vernünftig, dennoch muss man bei einer wachsenden Zahl von Menschen einen Verfall der Verkehrsmoral beklagen, der sich auch noch durch eine ganze Reihe anderer Gefährdungen im Straßenverkehr ausdrückt."

Kubitzki nennt konkrete Beispiele: "Das Benutzen der Rettungsgasse, die Nutzung des Abbiegestreifens zum Geradeausfahren oder Nötigungsdelikte zum Zweck des schnelleren Vorwärtskommens gehören dazu."