Zahl der Verkehrstoten sinkt in NRW auf Rekordtief

Die Leuchtschrift "Unfall" ist auf dem Dach eines Streifenwagens der Polizei zu sehen. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
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25. Februar 2020 - 13:50 Uhr

Die Zahl der Toten bei Verkehrsunfällen ist in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief gesunken. 458 Menschen starben - 32 Menschen oder 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie noch nie seit Beginn der Erfassung im Jahr 1953, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag in Düsseldorf.

2018 kamen noch 490 Menschen ums Leben. Die Zahl der tödlich verunglückten Kinder halbierte sich sogar auf fünf. Insgesamt verunglückten 6500 Kinder auf den Straßen, ein Rückgang um knapp 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Zahlen seien "ein echter Erfolg", sagte Reul. "Aber immer noch sind viele schlimme Unfälle auf unseren Straßen leicht vermeidbar. Das ist kein Pech oder Schicksal, sondern oft Gedankenlosigkeit und Leichtsinn."

Die Zahl der Schwerverletzten sank ebenfalls - um 3,5 Prozent auf 13.500 im Vergleichszeitraum. Leicht verletzt wurden 64.200 Menschen - das waren 2,1 Prozent weniger. Die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt steigt dagegen seit Jahren stetig an: 2019 registrierte die Polizei 679.300 Verkehrsunfälle in NRW - eine Zunahme um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"NRW liegt damit im Bundestrend", sagte der Chef-Unfallforscher des Gesamtverbands der Versicherer, Siegfried Brockmann. Die steigende Gesamtzahl der Unfälle sei dem zunehmenden Verkehr geschuldet. Dass die Unfälle weniger schwer ausfallen, könnte zumindest teilweise auf die neuen Bremsassistenten und den Abbiege-Assistenten bei Lastwagen zurückgehen, sagte Brockmann.

In 97 Todesfällen war laut NRW-Verkehrsunfallstatistik 2019 zu schnelles Fahren die Unfallursache. Bei 39 tödlichen Unfällen waren Drogen oder Alkohol im Spiel. 31 Menschen waren nicht angeschnallt unterwegs als sie starben. Die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer sank um zwei auf 72. Die der getöteten Fußgänger um 15 auf 91.

Seit der Einführung der E-Scooter im Juni vergangenen Jahres zählte die Polizei 223 Unfälle mit 192 leicht und 43 mit schwer verletzten Menschen. Gut jeder vierte E-Scooter-Unfall geschah unter Einfluss von Alkohol oder Drogen. Bei Unfällen mit Pedelecs kamen 23 Menschen ums Leben.

Im vergangenen Jahr seien fast 14.000 Menschen mit Alkohol am Steuer erwischt worden. Ein Plus von knapp 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei illegalen Drogen waren es 19.300 Verstöße - fast sieben Prozent mehr als 2018 und rund 58 Prozent mehr als noch in 2015. "Das ist eine Steigerung, die ungeheuerlich ist", so Reul. Der Umgang mit Drogen im Straßenverkehr sei wieder leichtsinniger geworden.

Nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sind 458 Verkehrstote trotz immer sicherer werdender Autos "vollkommen inakzeptabel". Die Verkehrsüberwachung durch die Polizei habe nachgelassen. Die Zahl der Verkehrskontrollen sei in den vergangenen Jahren stark gesunken.

"Wir brauchen dringend Drohnen zur Verkehrsüberwachung, mehr bewegliche Blitzer und die Abschnittskontrolle, bei der nicht die Geschwindigkeit an einem bestimmten Punkt gemessen wird, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine längere Strecke", forderte die Gewerkschaft.

"Trotz rückläufiger Zahlen gibt es immer noch viel zu viele schwere Unfälle mit Todesfolge", so ADAC-Verkehrsexperte Professor Roman Suthold. Fünf Punkte müsse jeder Autofahrer einhalten: "Anschnallen, Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten, ausreichend Abstand halten, während der Fahrt kein Smartphone benutzen und auf Alkohol und Drogen verzichten. Vorausschauend und defensiv fahren ist nicht uncool, sondern sorgt für mehr Sicherheit."

Quelle: DPA