Zahl der Pendler war noch nie so hoch - München an der Spitze

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4. April 2017 - 13:24 Uhr

Rekordwert: Immer mehr Menschen pendeln zum Job

Pendeln nervt und ist nicht gut fürs Lebensglück, sagen Studien. Doch die Zahl der Fahrer zwischen Wohnort und Job steigt und steigt. Die IG BAU fordert daher: Mehr bezahlbarer Wohnraum in Städten muss her. 

60 Prozent aller Arbeitnehmer pendelten im Jahr 2016 bundesweit zum Job

Das geht aus einer neuen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn hervor. 2016 pendelten bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer zum Job in eine andere Gemeinde. Die meisten Pendler gibt es in München. Dort arbeiteten 2016 rund 355.000 Menschen, die außerhalb der Stadtgrenze wohnten. Auf Platz zwei folgt Frankfurt am Main mit 348.000 Pendlern.

Gestiegen ist nicht nur die Zahl der Pendler, auch der Weg zum Arbeitsplatz ist länger geworden: von durchschnittlich 14,6 Kilometern im Jahr 2000 auf 16,8 Kilometer im Jahr 2015. Die Entwicklung löst bei vielen Fachleuten keineswegs Begeisterung aus. "Deshalb ist es wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt hält und das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden bleibt", so Institutsdirektor Herrmann.

Pendeln gefährdet die Gesundheit

Pendler sind häufiger genervt als Menschen mit kürzeren Arbeitswegen: "Die verfügbaren Untersuchungen zeigen, dass tägliche Pendelmobilität die körperliche und psychische Gesundheit der Erwerbstätigen gefährden kann und einen negativen Einfluss auf das Gesundheitsempfinden hat", sagt Simon Pfaff vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden. "Je länger die Fahrzeit der Erwerbstätigen, desto größer die Belastung, auch weil weniger Zeit zum Regenerieren bleibt." 

Die Krankenkassen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. So haben Pendler laut einer Studie der Techniker Krankenkasse ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken.

IG Bau fordert mehr bezahlbare Wohnungen in Städten

Die wachsenden Pendlerzahlen sind aus Sicht der IG BAU auch eine Folge falscher Wohnungspolitik. "Wir brauchen eine Politik mit dem Ziel, bezahlbares Wohnen auch in Metropolen und Ballungsräumen zu ermöglichen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft, Dietmar Schäfers, laut Mitteilung. Menschen und Umwelt litten "unter einer lange sträflich vernachlässigten Wohnungsbaupolitik", kritisiert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Aus Sicht der Gewerkschaft sei es ein Fehler gewesen, die Wohnungen der öffentlichen Hand zu privatisieren und es war genauso verkehrt, die Wohnungsfrage viel zu lange dem Markt zu überlassen.

Immer mehr Menschen ziehen in die Städte - Paradebeispiel München

In Deutschlands Großstädten wird es auch immer enger. Paradebeispiel ist die Pendlerhauptstadt München. In den vergangenen dreißig Jahren hat das 'Millionendorf' an etwa 300.000 Einwohner gewonnen, die Bevölkerung ist von 1,2 auf 1,5 Millionen gewachsen. Doch der Trend zum Wohnen in der Stadt wird die Pendlerzahlen nicht mindern. "Die Leute sind bei der Arbeitsplatzwahl flexibler als bei der Wahl des Wohnorts", sagt Christian Breu, Geschäftsführer des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München. 

"Die Pendlerströme in und aus der Stadt werden deutlich zunehmen." Wie Bevölkerungsforscher Pfaff erläutert: "Durch die zunehmende Frauenerwerbsquote gibt es immer mehr Doppelverdiener. Paare sind unflexibler bei der Wohnortwahl, vor allem, wenn Kinder im Haushalt leben", sagt er. "Auch die steigende Zahl befristeter Arbeitsverträge begünstigt das Pendeln."