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Zahl der Anrufe wegen häuslicher Gewalt gestiegen

Deutlich mehr Nachfrage nach Hilfe

Häusliche Gewalt in Deutschland nimmt zu

ARCHIV - 07.06.2016, Berlin: ILLUSTRATION - Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene). (zu dpa "Corona-Krise: Sorge vor mehr Gewalt gegen Kinder und Frauen" vom 22.03.2020) Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++ dpa
Symbolbild - Häusliche Gewalt
gam sup sab rho mut rho fg, dpa, Maurizio Gambarini

Bundesweites Hilfstelefon registriert 17,5 Prozent Steigerung

Fachleute hatten es befürchtet, nun scheint der Effekt tatsächlich eingetreten: Im Familienministerium gibt es erste Hinweise auf einen Anstieg der häuslichen Gewalt und des Missbrauchs. So berichtet das deutschlandweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, dass die Nachfrage nach Beratung deutlich zuletzt zugenommen habe.

Zusammenhang mit Corona-Krise vermutet

Vergangene Woche habe man eine Steigerung von 17,5 Prozent im Vergleich zu zwei Wochen zuvor verzeichnet, sagte eine Sprecherin von Familienministerin Franziska Giffey (SPD). Bis dahin sei die Entwicklung der Beratungskontakte vergleichbar zum Vorjahr 2019 verlaufen - also ohne Auffälligkeiten. Ein Trend sei feststellbar.

Giffey hatte die gestiegene Nachfrage in Zusammenhang mit der Corona-Krise gestellt, Familien stünden auf engem Raum unter besonderem Stress. Zu Beginn der Krise hatten Experten und Politiker vor einer Zunahme von häuslicher Gewalt und Missbrauch gewarnt, weil die Familien dauerhaft in der Wohnung bleiben müssten und soziale Kontrolle durch Schulen, Kitas sowie Freunde und Bekannte entfalle.

Lesen Sie hier: Franziska Giffey fordert im RTL/ntv "Frühstart" eine Ausweitung der Notbetreuung für Kinder.

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Keine belastbaren Zahlen aus Kriminalstatistiken

Bis es dazu belastbare Daten etwa in den Kriminalstatistiken gibt, dauert es. „Wir haben bislang keine besorgniserregenden Steigerungen festgestellt und kein erhöhtes Fallaufkommen“, sagte ein Sprecher der Polizei in München. „Das ist die erste Trend-Beobachtung.“ Allerdings würden Fälle oft erst im Nachhinein oder verspätet angezeigt.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hatte das Innenministerium nach Ostern mitgeteilt, der befürchtete Anstieg der häuslichen Gewalt sei ausgeblieben. Der Rückgang der registrierten Gewalttaten insgesamt liege bei 30 Prozent. Auch Berichte von Behörden und Hilfseinrichtungen aus anderen Bundesländern geben bisher keine Hinweise auf einen deutlichen Anstieg der Gewalt innerhalb der Familien - allerdings sind sie fast immer verbunden mit dem Hinweis, dass Fälle später oder auch gar nicht angezeigt würden.

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Hohe Dunkelziffer vermutet

 Wiederbeginn der Schule nach Corona-Lockdown, leeres Klassenzimmer, Deutschland Wiederbeginn der Schule nach Corona-Lockdown, leeres Klassenzimmer, Deutschland *** School restarts after Corona Lockdown, empty classroom, Germany School restarts after
Leeres Klassenzimmer.
www.imago-images.de, imago images/Michael Weber, Michael Weber IMAGEPOWER via www.imago-images.de

Im Bereich häuslicher Gewalt, die sich in den meisten Fällen gegen Frauen und Kinder richtet, wird die Dunkelziffer von Experten generell als hoch eingeschätzt. Bereits Ende März hatte der Europarat auf Frankreich verwiesen, wo viele Frauen wegen der Beschränkungen keine Notrufstellen anrufen könnten.

Nach Angaben des Kinderschutzbunds sind die Meldungen bei Jugendämtern wegen Kindeswohlgefährdung zuletzt deutlich gesunken - was aber nicht bedeutet, das weniger passiert. „Vor dem Shutdown kamen etwa 60 Prozent dieser Meldungen von Schulen, Kitas und aus Kinderarztpraxen“, sagte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, der „Rheinischen Post“.