Bloggen aus der Gefängniszelle

Youtube-Knasti ärgert Berliner Justizverwaltung

Thomas D. erzählt seinen Followern vom Alltag im Knast.
© Screenshot / Knast VLOG

15. Oktober 2019 - 17:29 Uhr

Youtube-Knasti verspottet Berliner Justizverwaltung

Trotz Handyverbot postet Häftling Thomas D. immer wieder Videos aus seiner Gefängniszelle und ärgert so die Justizbehörden. 102.000 Abonnenten schauen ihm dabei zu.

Postings trotz striktem Handyverbot

Häftling Thomas D. liefert sich seit Monaten einen skurrilen Streit mit der Berliner Justizverwaltung. Während er noch einsitzt, dreht der Youtuber regelmäßig selbstgedrehte Handyvideos, in denen er von seinem Leben in der JVA berichtet.

Dass Handys in deutschen Gefängnissen eigentlich verboten sind, scheint ihn nicht zu stören. Trotz mehrerer Abmahnungen durch die Gefängnisverwaltung postet er munter weiter und handelt sich so eine Disziplinarmaßnahme nach der anderen ein.

102.000 Abonnenten schauen zu

Für die Justizverwaltung ist Thomas D. ein Ärgernis. Mehrfach haben sie versucht, den 36-Jährigen vom Videodrehen abzuhalten. Regelmäßige Zellenkontrollen, angedrohte Disziplinarmaßnahmen und sogar eine Verlegung von Tegel nach Heidering haben nichts gebracht. "Weitere Maßnahmen werden fortlaufend geprüft und entsprechend vorgenommen", heißt es in einem aktuellen Statement der Justizverwaltung.

Der Youtube-Kanal "Knast-Vlog" boomt derweil. Ca. 102.000 Abonnenten verfolgen die Videos des verurteilten Bankräubers und auch auf Twitter und Instagram wächst die Followerzahl. Inhaltlich geht es auf den Kanälen vor allem um seine kriminelle Vergangenheit und den harten Knastalltag. Er spricht über Gefühle in der Isolationshaft, was man im Knast alles einkaufen kann und wie die täglichen Kontrollen ablaufen. Sogar "Roomtouren" durch seine Zelle oder seinen Arbeitsplatz in der Buchbinderei sind dabei. Jedes Mal wenn ihm ein Telefon abgenommen wird, besorgt er sich ein neues. 

Vom Bankräuber zum Influencer

Im Jahr 2012, kurz vor Weihnachten, überfällt Thomas D. eine Bank in Berlin Zehlendorf. Zehn Stunden lang hält er dabei einen 40-jährigen Mann als Geisel, bis er schließlich aufgehalten werden kann. Weil sein Vorstrafenregister lang ist, wird der gebürtige Wolfsburger zu einer Freiheitsstrafe von 9,5 Jahren Haft verurteilt.