22. August 2017 - 7:02 Uhr

Weltweite Fahndung nach Attentäter

Der Hauptverdächtige des Terroranschlags von Barcelona, Younes Abouyaaquoub, ist tot. Er wurde bei einem Polizeieinsatz erschossen. Das erklärte die katalanische Polizei auf Twitter. Auch ein weiterer Verdächtiger, der gesuchte Imam Abdelbaki Es Satty, ist tot.

Abouyaaquoub trug einen Sprengstoffgürtel-Attrappe

Am Nachmittag stellte die Polizei einen Verdächtigen in Subirats in der Nähe von Barcelona. Der Mann habe einen Sprengstoffgürtel getragen und "Allahu akbar" (etwa: Gott ist groß) gerufen, berichteten spanische Medien. Erst war unklar, ob es sich tatsächlich um den Hauptverdächtigen des Anschlags, den Marokkaner Abouyaaquoub, handelte. Der Sprengstoffgürtel stellte sich dann aber offenbar doch nur als Attrappe heraus.

15 Tote, mehr als 120 Verletzte

Ein Polizist steht am 21.08.2017 auf einer Straße in der Nähe von Subirats (Spanien). Die katalanische Polizei hat nach dem Anschlag von Barcelona in der Nähe der Stadt einen verdächtigen Mann getötet. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa +++(c) dpa - Bildf
Nach Terroranschlag in Barcelona sperrt die Polizei die Straßen in Subirats.
© dpa, Emilio Morenatti, TH pat

Nach Erkenntnissen der Polizei saß Younes Abouyaaquoub am Steuer des Lieferwagens, der auf den Ramblas 13 Menschen überrollte und mehr als 120 verletzte. Abouyaaquoub benutzte das Fahrzeug eines zuvor erstochenen Mannes als Fluchtwagen.

Abouyaaquoub und nicht der zunächst Verdächtige 17-jährige Moussa Oubakir soll es gewesen sein, der am Donnerstag mit dem Lieferwagen durch die Flaniermeile gerast und viele Menschen getötet und verletzt hat. Der 22-Jährige sei der Bruder eines der getöteten Terrorverdächtigen von Cambrils, hieß es. Er stamme aus der Kleinstadt Ripoll rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona. Nach ihm wurde weltweit gefahndet.

Zeitfenster des Aufenthalts entspricht der Planungsphase für die Attacken in Brüssel

Als Kopf der Terrorbande gilt Imam Abdelbaki Es Satty. Dieser hielt sich offenbar zeitweise in Belgien auf. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft in Brüssel am Montag. Der Sprecher nannte aber keine Details. Der Geistliche sei den belgischen Behörden damals nicht bekannt gewesen. Eine Verbindung zu den Terroranschlägen von Brüssel 2016 sei derzeit nicht ersichtlich.

Der Bürgermeister von Vilvoorde (franz.: Vilvorde) nördlich von Brüssel, Hans Bonte, hatte einen Aufenthalt des Imams in seiner Gemeinde bekannt gemacht. "Ich kann bestätigen, dass er von Januar bis März 2016 in Vilvorde war", sagte er dem Sender VRT.

Die belgischen Behörden haben wegen des Terrors in Spanien eigene Ermittlungen eingeleitet, zumal ein Belgier unter den Opfern ist. Die genannte Zeit für den Aufenthalt des Imams in Vilvoorde war unmittelbar vor den islamistischen Anschlägen von Brüssel am 22. März 2016. Islamisten hatten sich am Flughafen und in der U-Bahn in die Luft gesprengt und 32 Menschen getötet.

Der Geistliche kam bei einer Explosion in Alcanar am vergangenen Mittwoch ums Leben, wo die Terroristen ihre Anschläge vorbereitet haben sollen, bestätigte der Polizeichef von Katalonien.

Terrorgruppe plante noch viel viel größeren Anschlag

Indes ist die Zahl der Todesopfer auf 15 gestiegen. Es gelte inzwischen als erwiesen, dass der flüchtige Attentäter Younes Abouyaaquoub nach seiner Terrorfahrt am vorigen Donnerstag in Barcelona auch einen 34-jährigen Spanier erstochen habe, sagte der katalanische Innenminister Joaquim Forn am Montag.

Ursprünglich hatte die Terrorgruppe einen noch viel größeren Anschlag mit Sprengstoff geplant. Aber ein Unfall in der Bombenwerkstatt hatte noch Schlimmeres verhindert.

Auto vom Terrorangriff in Cambrils bei Paris geblitzt

Ein Verdächtiger (M) wird am 18.08.2017 in Ripoll, nördlich von Barcelona, von der Polizei in Handschellen aus einem Gebäude geführt. Am Donnerstag war auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona (Spanien), ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gef
Ein Verdächtige wird in Ripoll, nördlich von Barcelona, von der Polizei in Handschellen aus einem Gebäude geführt. Nach dem Anschlag in Barcelona fordern deutsche Politiker Konsequenzen.
© dpa, Francisco Seco, PW kno

Das beim vereitelten Terrorangriff im spanischen Cambrils genutzte Auto ist laut einem Medienbericht weniger als eine Woche zuvor im Pariser Großraum von einem Verkehrsradar geblitzt worden. Der schwarze Audi A3 sei zu schnell gefahren, berichtete die Regionalzeitung 'Le Parisien' am Montag auf ihrer Internetseite. Die Pariser Polizei teilte auf Anfrage mit, ihr lägen dazu keine Informationen vor. Auch die Pariser Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht und verwies auf die Terrorermittlungen in Spanien. Wie die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, gebe es in dem Fall derzeit keine Anhaltspunkte für Verbindungen nach Frankreich.