WWF: 60 Prozent weniger Wildtiere seit 1970 – und Schuld ist der Mensch

Weltweit leiden Wildtiere wie der Sumatra-Orang-Utan unter der Zerstörung natürlicher Lebensräume.
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30. Oktober 2018 - 18:44 Uhr

Beunruhigende Zahlen im "Living Planet Report"

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Bestände vieler Wirbeltierarten weltweit um mehr als die Hälfte geschrumpft. Wie der World Wildlife Fund (WWF) gerade in seinem diesjährigen "Living Planet Report" bekannt gab, beträgt der Rückgang im Schnitt 60 Prozent. Die Ursachen hierfür sieht die Umweltstiftung vor allem im menschlichen Konsumverhalten der heutigen Zeit.

Zerstörung von Lebensräumen durch menschlichen Konsum

ARCHIV - Arbeiter der Ermittlungsstelle für Umweltkriminalität von den SANParks führen im Kruger National Park Skukuza (Südafrika) eine Postmortem-Untersuchung an einem Nashorn durch, das wegen seiner Hörner getötet wurde. Wilderer haben in Südafrika
Menschen nehmen Tieren den Lebensraum und töten sie aus Profitgier. Mit dramatischen Folgen.
© dpa, Salym Fayad, kl sw vfd fgj

Der WWF veröffentlicht seit 1998 regelmäßig einen Bericht zum Zustand der Erde. Seit der vergangenen Ausgabe von 2016 hat sich der Wirbeltierbestand um zwei Prozentpunkte verschlechtert. Im Vergleich zu den Achtziger- und Neunzigerjahren fällt der Schwund damit zwar immer noch etwas schwächer aus, trotzdem stellen die Experten klar: Wir Menschen sind die Hauptverantwortlichen für die Zerstörung von Lebensräumen.

"Komasaufen auf Kosten des Planeten"

"Unser Lebensstil ist wie Kettenrauchen und Komasaufen auf Kosten des Planeten", mahnt Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter des WWF Berlin. Die Folgen unseres Verhaltens in Deutschland würden demnach vor allem Regionen wie Südamerika, Afrika und Asien tragen, wo Wälder abgeholzt und Flüsse verschmutzt werden. Der "Living Planet Report" stellt fest, dass der Verbrauch der Menschen an natürlichen Ressourcen jährlich 70 Prozent über der Menge liegt, die sich im gleichen Zeitraum wieder regenerieren kann.

Trendwende ist noch machbar

Hierzulande sind vom Rückgang der Bestände vor allem Wiesenvögel, Frösche, Wildbienen und Schmetterlinge betroffen. Als Grund führt der WWF zu einseitige Agrarlandschaften an. Weltweit wurden für den neuen Report 16.700 Wirbeltier-Populationen untersucht. Unter dem Strich ist laut der Umweltorganisation ein neuer Tiefpunkt des ökologischen Gesundheitszustands erreicht.

Dennoch hält sie eine Trendwende noch für möglich, etwa durch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und das Pariser Klimaschutzabkommen. Diese Ziele sollten allerdings bis 2030 auch wirklich umgesetzt werden, wie Krüger klarstellt: "Wir können nicht noch einmal zehn Jahre warten."