Wurde Theresa Stahl (†20) absichtlich totgerast?

Anwalt der Familie: "Wir werden nicht lockerlassen"

18. September 2020 - 12:49 Uhr

Überraschende Wende im Berufungsprozess um Theresa Stahls Tod

War der Tod der 20 Jahre alten Theresa Stahl in Eisenheim doch kein Unfall unter Alkoholeinfluss, sondern Mord? Nach einer überraschenden Zeugenaussage im Berufungsprozess gegen den damaligen Todesfahrer am Landgericht Würzburg kam Bewegung in den Fall. Philipp Schulz-Merkel, der Anwalt von Theresas Familie, erklärte im Interview mit RTL, wie sehr die Angehörigen auf Aufklärung hoffen.

Im Video zeigen wir, was der Verteidiger des Angeklagten zu den neuen Vorwürfen sagt.

Festnahmen wegen Verdacht auf Tötungsdelikt

Die junge Frau starb im April 2017, als sie auf ihrem Heimweg von Niclas H. totgefahren wurde. Er hatte zur Tatzeit 2,89 Promille. Der Fall und auch das Urteil sorgten in ganz Deutschland für Aufsehen, denn der junge Mann wurde lediglich zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro und einem Jahr Fahrverbot verurteilt. Im Berufungsprozess kam nach einer Zeugenaussage plötzlich der Verdacht auf, dass der junge Mann absichtlich auf die Fußgängerin gelenkt haben könnte, wie RTL aus Prozess-Kreisen erfuhr. Niclas H. und sein Beifahrer Marius H. sollen festgenommen worden sein. Das Verfahren findet aus Jugendschutzgründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

"Die Familie hat immer gehofft, dass da noch jemand kommt und sich meldet", erklärte der Nebenklage-Anwalt. Aus ihrer Sicht sei das erste Urteil immer falsch gewesen. Das Gericht hatte Niclas H. damals für schuldunfähig erklärt. Die Familie kann das nicht begreifen. Was der Vater zu dem ersten Urteil sagte – in unserem zweiten Video.

Prozess könnte jetzt komplett neu aufgerollt werden

Ob der Fahrer Theresa wirklich absichtlich umgefahren habe, müsse jetzt natürlich geprüft werden. Aber das Gericht habe immerhin Haftbefehl erlassen. Das passiere in der Regel nur, wenn man der Sache auch Bedeutung beimesse, erklärt Schulz-Merkel.

Wenn sich dem Angeklagten tatsächlich Mordvorwürfe nachweisen lassen, müsse das Landgericht das erste Urteil aufheben und zurück an eine Schwurgerichtskammer überweisen. Das Verfahren müsse dann noch einmal ganz von vorne begonnen werden und dann eben als Mordprozess, erklärt der Anwalt.

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Familie hofft, dass sich nun weitere Zeugen melden

Im Interview erzählt er, dass es schon von Anfang an Gerüchte gegeben habe, dass das Auto gezielt auf die junge Frau zugefahren sei. Theresas Familie hofft nun, dass sich weitere Zeugen melden könnten, die bisher geschwiegen haben. Vielleicht hätte der ein oder andere Informationen für sich behalten, weil er dachte, es gehe nur um 5.000 Euro und Fahrverbot, glaubt der Anwalt. Wenn es aber um ein Tötungsdelikt gehe, könne man sein Wissen nicht zurückhalten.

Die Familie hoffe nun, dass der rätselhafte Tod der 20-Jährigen nach drei Jahren endlich restlos aufgeklärt werden könne. "Wir werden nicht lockerlassen", kündigte der Anwalt an. Dabei gehe es nicht um eine höhere Strafe für den Angeklagten, sondern in erster Linie um die Frage: Was in der Nacht vom 23. April 2017 wirklich passiert ist.