Wulff veröffentlicht Liste mit weiteren Urlauben

10. Februar 2016 - 12:00 Uhr

Präsident in Bedrängnis: Wulff veröffentlicht Urlaubsliste

Bundespräsident Christian Wulff hat hat in der Affäre um den Privatkredit lange geschwiegen und ist nun in einer ganz anderen Angelegenheit an die Öffentlichkeit gegangen. Der in der Kritik stehende CDU-Mann hat über seine Anwälte eine Liste mit privaten Urlaubsreisen veröffentlicht, bei denen er Gast von Freunden war.

Bundespräsident Christian Wulff
Bundespräsident Christian Wulff lehnt einen Rücktritt weiter ab, veröffentlichte aber am Sonntag eine Liste mit weiteren Urlauben, die er auf Einladung machte.
© dpa, Schuh;Florian

Die Urlaube, die Wulff der Erklärung zufolge "überwiegend gemeinsam mit den jeweiligen langjährigen Freunden" verbrachte, hätten keinen Bezug zu seinen öffentlichen Ämtern, hieß es. "Dieses Verhalten steht uneingeschränkt in Einklang mit den Regelungen des niedersächsischen Ministergesetzes."

Die Liste umfasst sechs Urlaubsaufenthalte zwischen 2003 und 2010, als Wulff Ministerpräsident war. Hinzu kommt ein bereits bekannter Aufenthalt in der Mallorca-Ferienanlage des Unternehmers Carsten Maschmeyer, wo sich Wulff kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer 2010 einmietete.

Ob Wulff mit dieser Aktion den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen kann, bleibt abzuwarten. Es geht einmal mehr um private Vorteile, die sich der Bundespräsident als Ministerpräsident von Niedersachsen sicherte. Mit der Veröffentlichung der Urlaubsliste reagierte Wulff auf einen Vorstoß von SPD und Grünen in Niedersachsen, die Klarheit über seine Privatreisen gefordert haben.

Rückendeckung erhielt er von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe: "Der Bundespräsident hat sich umfassend erklärt. Ich habe volles Vertrauen in seine Aussagen", sagte er der Zeitung 'Die Welt'. "Christian Wulff ist zu Recht ein in der Bevölkerung hoch geschätzter Bundespräsident."

Wulff: Rücktritt? Nein, danke!

Das sehen mittlerweile viele nicht mehr so. Aus unterschiedlichen Lagern hat es schon Rücktrittsforderungen gegeben, auch das 'laute' Schweigen der Kanzlerin gibt Anlass zu Spekulationen.

"Man muss selber wissen, was man macht", hatte Wulff in Wittenberg gesagt und verteidigte damit die Annahme seines Privatkredits. "Das muss man verantworten - das kann ich", ergänzte er auf die Frage, wie er den politischen Druck aushalte.

Er äußerte sich damit erstmals in der Öffentlichkeit zu dem seit einer Woche bekannten 500.000-Euro-Kredit, den er 2008 noch als niedersächsischer Ministerpräsident nach eigener Darstellung von einer befreundeten Unternehmergattin aufnahm.

Er könne sich weiter wunderbar mit den Bürgern unterhalten, erklärte Wulff bei einem Empfang. "Das ist eigentlich das Wichtige, das Wesentliche, dass man die Dinge bewertet (...) und dann auch unterscheidet, wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden", sagte Wulff. "Das muss man voneinander trennen."

Ein klares Bekenntnis gab Wulff einem Passanten vor der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Sonntag. Auf den Zuruf, er solle nicht zurücktreten, antwortete er: "Nein, das machen wir nicht". Den kurzen Austausch beim Verlassen der Kirche im Anschluss an einen Festgottesdienst hatte ein RTL-Kamerateam gefilmt.