Wulff und Geerkens: Doch mehr als Freunde?

10. Februar 2016 - 12:57 Uhr

Wulff und Geerkens mehr als Freunde?

Offensichtlich hat sich Bundespräsident Christian Wulff auf einen Kurzurlaub nach Thüringen zurückgezogen. Doch das bringt ihn nicht aus der Schusslinie. Denn es gibt schon wieder neue Vorwürfe und die sind womöglich handfester als dem ersten Mann im Staate lieb sein wird.

Christian Wulff ist weiter in Erklärungsnot.
Christian Wulff ist weiter in Erklärungsnot. Gab es doch eine Geschäftsbeziehungen zwischen Egon Geerkens und Wulff?
© dpa, Wolfgang Kumm

Wie 'tagesschau.de' berichtet, verschwieg Wulff wohl doch eine geschäftliche Beziehung zu dem Unternehmer Egon Geerkens, der wohl mehrere Jahre Mandant der Anwaltskanzlei Funk, Tenfelde und Partner war. Und bei dieser Kanzlei arbeitete Wulff - und zwar mehr als 15 Jahre, laut 'tagesschau.de'.

Reich-Ranicki: "Er muss zurücktreten"

Zahlreiche Anwaltsschreiben belegen, dass im Briefkopf Wulffs Name geführt wurde. Der Unternehmer sei bis 2007 sogar Vermieter der Kanzleiräume gewesen. "Christian Wulff war bei uns tätig. Mit seiner Wahl in den niedersächsischen Landtag 1994 ist er allerdings aktiv aus seiner Arbeit ausgeschieden", sagte Kanzlei-Partner Stefan Felsner.

Daraufhin habe Wulff einen Status als freier Mitarbeiter erhalten, um nach Abschluss seiner Politkarriere in seinen Beruf zurückkehren zu können. Wulff habe nach 1994 keinerlei Einkünfte mehr aus der Anwaltstätigkeit erzielte, so Wulffs Rechtsanwalt Gernot Lehr. Wulffs Vertrag als freier Mitarbeiter wurde Felsner zufolge 2011 aufgelöst, sein Name aus dem Briefkopf entfernt.

Für Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki steht ohnehin fest: Bundespräsident "Wulff muss unbedingt zurücktreten". Mit dem 91-jährigen Holocaust-Überlebenden bezieht erstmals eine moralische Autorität Deutschlands klar Position gegen das Staatsoberhaupt.

"Wulff hat offenbar zu hohe finanzielle Ansprüche", so Reich-Ranicki. Dadurch könne er als Politiker nicht unabhängig sein. Als moralische Autorität ist der Literaturkritiker ein Mann, dessen Stimme über die Parteigrenzen hinweg Gewicht hat.

Die neuesten Entwicklungen in der Wulff-Affäre treiben auch die SPD auf die Barrikaden: "Wenn wir der Kanzlerin anbieten, gemeinsam einen Nachfolger zu suchen, sogar einen CDU-Kandidaten unterstützen würden, dann ist das ja indirekt die Forderung nach eimem Rücktritt", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Im Mai 2010 war Wulffs Vorgänger Horst Köhler zurückgetreten, weil Kritik an seiner Person nach Köhlers Meinung das Amt des Präsidenten beschädigte.