Wulff-Rede "wichtiges Signal für Muslime"

© dpa, Peter Steffen

09. Februar 2016 - 11:21 Uhr

Lob für Wulffs Rede

Feuerwerk und viel Beifall zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit, Lob und Beifall für den Bundespräsidenten: Christian Wulff kann mit seinem Bekenntnis zu "unverkrampftem Patriotismus" und zum Islam punkten. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland begrüßte die Rede. "Die Worte des Präsidenten sind ein klares, deutliches und wichtiges Signal für alle Muslime in Deutschland", sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Aiman Mazyek, der 'Bild'-Zeitung. "Wulffs Rede war ein Zeichen, dass die Muslime keine Bürger zweiter Klasse sind." Der Bundespräsident habe klargemacht: "Verschiedene Lebensentwürfe und Vielfalt sind erwünscht."

Der frühere NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU) lobte Wulffs Rede als "Meilenstein auf dem Weg zur Aufsteigerrepublik für alle, unabhängig von der Herkunft der Eltern". Laschet sagte der 'Rheinischen Post': "Wir brauchen eine neue deutsche Einheit, bei der Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte Ja sagen zu unserem Land."

"Das hätten wir gerne schon früher aus Bellevue gehört", erklärte auch der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Lobenswert seien Wulffs konkrete Vorschläge, in Bildung zu investieren, mehr Integrationskurse anzubieten und islamische Religion von in Deutschland ausgebildeten Imamen lehren zu lassen.

Linksfraktionschef Gregor Gysi lobte die Rede ebenfalls. Wulff habe klar gemacht, dass Deutschland nur dann zur Einheit finde, wenn die Integration insgesamt gelinge, sagte Gysi. Wulffs Hinweis, dass nicht nur die Zuwanderer sich integrieren müssten, sondern auch Deutschland etwas für sie tun müsse, sei ein wichtiger Ansatz gewesen. "Und neu: Ich glaube noch zu keinem Jahrestag der Deutschen Einheit hat man diese Frage so aufgeworfen, wie das der Bundespräsident gestern gemacht hat."

Wulff hatte beim Festakt zum Jahrestag der Einheit in Bremen vor der Ausgrenzung von Zuwanderern gewarnt. Der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland, sagte der Bundespräsident. Der Ruf "Wir sind ein Volk!" müsse eine Einladung sein an alle, die hier leben. "Legendenbildungen, Zementierung von Vorurteilen und Ausgrenzungen dürfen wir nicht zulassen", sagte Wulff. "Das ist in unserem ureigenen nationalen Interesse."

350.000 Besucher feiern in Bremen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem guten Auftrag "für uns, die heute Politik machen". Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: "Es war eine sehr gute Rede zum 3. Oktober. Die Einheit ist erwachsen geworden." Der Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sah Wulffs Worte indes mehr an das konservative Spektrum gerichtet, das mit ein paar Grundwahrheiten konfrontiert worden sei.

Zu den Feiern in Bremen kamen am Wochenende etwa 350.000 Besucher an. Dort präsentierten sich die Bundesländer und die Verfassungsorgane in zahlreichen Zelten. Auf mehreren Bühnen traten Bands auf, darunter Popsängerin Nena und Stargeiger David Garrett. Das Abschlusskonzert gab der DDR-Kultrocker Silly.

Auch der Mann, mit dem die Einheit am meisten verbunden wird, war als Ehrengast anwesend: der ehemalige Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl. Der Altkanzler zeigte sich sichtlich gerührt von dem langanhaltenden Applaus, mit der er im Rahmen der Feierlichkeiten begrüßt wurde.