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Wulff-Prozess: Wird es doch noch einmal eng für den Ex-Bundespräsidenten?

Wulff-Prozess: Wird es doch noch einmal eng für den Ex-Bundespräsidenten?

Neue Beweisanträge im Prozess
Das seit Mitte November laufende Verfahren wird sich doch noch einmal in die Länge ziehen.
dpa, Julian Stratenschulte

Staatsanwaltschaft fordert Aussage von Ex-Sprecher Glaeseker

Der Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff steht doch noch nicht vor dem Ende. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft will das Landgericht Hannover zunächst noch mindestens zwei weitere Zeugen hören. Dies teilte Richter Frank Rosenow mit.

Eigentlich hatte er die Einstellung des Verfahrens angeregt und angekündigt an, die Beweisaufnahme schließen zu wollen und noch im Januar ein Urteil zu fällen. Doch jetzt sieht es anders aus, denn der im Dezember 2011 von Wulff entlassene Sprecher Glaeseker könne wichtige Informationen zum Verhältnis zwischen Wulff und dem mitangeklagten Filmfinanzier David Groenewold liefern, so Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer. Am 16. Januar soll der ehemalige Ex-Sprecher Wulffs im Zeugenstand erscheinen. "Wir sehen Punkte, dass wir nicht umhin kommen, Glaeseker zu vernehmen", sagte Rosenow.

Glaeseker war bisher nicht als Zeuge geladen worden, weil er sich auf ein Aussageverweigerungsrecht berufen hatte, das allerdings mit Jahresbeginn 2014 abgelaufen ist, sagte der Oberstaatsanwalt. Gegen Glaeseker läuft ebenfalls ein Prozess im Landgericht Hannover, allerdings wegen anderer Hintergründe.

Auch weitere Zeugen sollen angehört werden

Da Ex-Sprecher Glaeseker 2008 sowohl mit Wulff als auch mit Groenewold freundschaftlich verbunden gewesen sei, könne er nach wie vor offene Fragen zu den Absprachen rund um den München-Besuch klären, sagte der Oberstaatsanwalt. Dazu gehöre das Verhältnis von dienstlichen und privaten Terminen bei Wulff an diesem Wochenende, Absprachen zu Hotelzimmern und deren Bezahlung sowie das anschließende Engagement Wulffs für Groenewolds Film 'John Rabe' bei Siemens.

Zuvor sagte der als Zeuge geladene Polizist aus, die Ermittler hätten auf dem Computer des Mitangeklagten Filmproduzenten Groenewolds ein Schreiben gefunden, in dem Wulff gebeten wurde, bei Siemens für den Film "John Rabe" zu werben. Die Ermittlungen hätten aber auch ergeben, dass Wulff schon vorher ein persönliches Interesse an dem Filmprojekt gehabt habe. Ob Groenewold durch Wulffs Engagement bei Siemens einen persönlichen Vorteil gehabt habe, könne er nicht sagen, meinte der Polizist.