Wulff-Nachfolger: Lammert und Bischof Huber im Rennen

Derzeit sind beim Kandidatenkarussell Bischof Wolfgang Huber und Bundestagspräsident Norbert Lammert heiße Kandidaten.
Derzeit sind beim Kandidatenkarussell Bischof Wolfgang Huber und Bundestagspräsident Norbert Lammert heiße Kandidaten.

10. Februar 2016 - 13:33 Uhr

Favorit Voßkuhle lehnt ab

Der Nächste, bitte: Während Union und FDP im Eilverfahren nach einem Nachfolger für das Amt des Bundespräsidenten suchen, lichten sich bereits die Reihen der möglichen Kandidaten - unter ihnen auch Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Auf ihn hatte sich Schwarz-Gelb offenbar als Nachfolger für Christian Wulff bereits geeinigt, nach einer Bedenkzeit lehnte er aber ab.

Favoriten im Kandidaten-Karussell sind derzeit offenbar Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und der frühere evangelische Bischof Wolfgang Huber. Eine Entscheidung ist aber bis jetzt noch nicht gefallen.

Der 69-jährige Huber war bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er stehe der SPD näher als der Koalition, sei aber auch bei Union und FDP anerkannt. Huber würde deshalb nicht als Signal für eine große Koalition gewertet, heißt es.

Laut CSU-Chef Horst Seehofer komme die Koalition bei der Suche trotzdem gut voran. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte er. Nun berieten die Parteien jeweils für sich. Am Sonntag treffe man sich wieder in Berlin, dann werde sich "einiges klären." Zu Namen möglicher Kandidaten nahm er keine Stellung.

Anders die Opposition: Die SPD hatte Ex-DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck zu ihrem Favoriten erklärt, den sie zusammen mit den Grünen auch im Jahr 2010 im Rennen um das Amt des Bundespräsidenten gegen Wulff in Position gebracht hatte. "Er ist nach wie vor unser Favorit für dieses Amt", sagte Gabriel der 'Bild am Sonntag'. In den Gesprächen mit der Koalition wolle die SPD für ihn werben, aber nicht auf ihn beharren.

Vorbehalte gegen Gauck

In der Union ist man darüber weniger begeistert, es gibt offenbar deutliche Vorbehalte gegen Gauck. Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte der 'BamS', einen Kandidaten von Gnaden der SPD werde es nicht geben. Stattdessen ließ Unionschef Volker Kauder im Radio verlauten, Rot-Grün solle ohne Vorbedingungen in die Gespräche mit der Koalition gehen. Schwarz-Gelb akzeptiere aber die Forderung der Opposition, keinen aktiven Minister als Kandidaten zu nominieren, hieß es aus Koalitionskreisen.

Zuvor hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier Medienberichten zufolge gesagt: "Wenn wir uns verständigen wollen, dann kann das kein Mitglied des Kabinetts sein." Die Koalition müsse sich mehr Mühe geben und "etwas breiter gucken". Auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin sagte, es dürfe kein Angehöriger des Kabinetts sein. In der Koalition war unter anderen Verteidigungsminister Thomas de Maiziere als Kandidat gehandelt worden, der mittlerweile abgesagt hat. Genannt wurden auch Finanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Vom früheren Chef des UN-Umweltprogrammes, Klaus Töpfer, hieß es, er sei für die FDP auf keinen Fall tragbar.

Ein Treffen mit den Oppositionsparteien im Kanzleramt für eine überparteiliche Einigung könnte nach dem gescheiterten ersten Anlauf frühestens Sonntag stattfinden. Es gebe aber noch keinen festen Zeitpunkt, hieß es aus Koalitionskreisen.

In einer von RTL durchgeführten Forsa-Umfrage liegt Gauck in der Gunst der Bürger vorn: 46 Prozent sagten, sie würden ihn für geeignet halten. Mit deutlichem Abstand folgen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen mit 20 Prozent und Verteidigungsminister Thomas de Maiziere mit 19 Prozent. Finanzminister Wolfgang Schäuble und der frühere Chef des UN-Umweltprogrammes, Klaus Töpfer, kämen auf jeweils 18 Prozent.

83 Prozent der Befragten begrüßten Wulffs Rücktritt. Die Staatsanwaltschaft leitete offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein, da seine Immunität mit dem Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten endete.