Wulff: Kredit doch von Geerkens selbst?

10. Februar 2016 - 11:57 Uhr

Neue Vorwürfe gegen Wulff

In der Kreditaffäre um Bundespräsident Christian Wulff (CDU) wird es auch nach seiner Erklärung, möglicherweise Fehler begangen zu haben, nicht ruhiger. Wulff hatte angegeben, der Kredit stamme von der Frau des Unternehmers Egon Geerkens, nicht von dem Geschäftsmann selbst. Jetzt berichtet das Magazin 'Spiegel', das Darlehen würde doch von Wulff-Freund Geerkens stammen.

Neue Vorwürfe gegen Wulff
Neue Vorwürfe gegen Wulff - Stammt der Kredit doch von Egon Geerkens?
© dpa, Wolfgang Kumm

In dem Bericht des Magazins heißt es, neue Aussagen würden den Schluss zulassen, dass doch Egon Geerkens de facto der Darlehensgeber sei und nicht dessen Frau. Würden sich diese Vermutungen bestätigen, wäre das ein erheblicher Verlust an Glaubwürdigkeit für den Bundespräsidenten.

Geerkens habe dem Spiegel gegenüber gesagt, er selbst habe die Verhandlungen geführt und sich über die Abwicklung des Geschäfts Gedanken gemacht. Die Zahlung sei dann über ein Konto von Geerkens' Frau abgewickelt worden, für das Egon Geerkens eine Vollmacht besitzt. Die Rückzahlung des Kredites sei auf ein Gemeinsames Konto der Geerkenseheleute erfolgt, heißt es in dem Bericht.

Wulff bestritt immer eine Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Egon Geerkens. Dagegen spreche laut Spiegel-Bericht, dass Edith Geerkens bei der Hochzeit mit dem Unternehmer kein nennenswertes Vermögen gehabt habe und seither nicht mehr gearbeitet habe. Das lasse den Schluss zu, dass das Geld von ihrem Mann stamme.

Wulff bleibt bei seiner Darstellung

Kurz nach dem Bericht ließ Bundespräsident Wulff über seine Anwälte erklären, er bleibe bei seiner Darstellung. Der umstrittene Hauskredit aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident kam von der Frau des Unternehmers Egon Geerkens, heißt es in der Mitteilung.

"Die Sparkasse Osnabrück hat bestätigt, dass der Scheck der Deutschen Bundesbank, der dem beurkundenden Notar zur Verfügung gestellt wurde, aus dem Konto von Frau Edith Geerkens gedeckt wurde", hieß es in der Erklärung des Bonner Anwaltsbüros Redeker Sellner Dahs. "Dazu liegt uns eine Bestätigung der Sparkasse Osnabrück vor. Der Vertrag über das Privatdarlehen wurde mit Frau Edith Geerkens geschlossen." Das Ehepaar Wulff habe alle vereinbarten Zinszahlungen auf das Konto von Frau Geerkens geleistet.

Bestätigt wird Wulff durch eine dpa vorliegende Erklärung der Rechtsanwälte Geerkens'. Darin heißt es: "Entgegen anderslautenden Meldungen wurde das Privatdarlehen an die Eheleute Wulff durch Frau Edith Geerkens gewährt. Mit ihr wurde der Kreditvertrag geschlossen. Die Auszahlung in Form eines Schecks der Deutschen Bundesbank durch die Sparkasse Osnabrück erfolgte daher auch von dem Konto von Frau Edith Geerkens."

Die Grünen gingen nach dem 'Spiegel'-Bericht auf Distanz zu Wulff. "Wenn die Darstellung von Herrn Geerkens stimmt, dann hat Herr Wulff im Landtag von Hannover nicht einmal formal die Wahrheit gesagt", sagte der Rechtsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Jerzy Montag, dem 'Kölner Stadt-Anzeiger'. "Das hört sich an, als habe man eine bewusste Umgehung geplant. Einen solchen Sachverhalt deckt die Erklärung des Bedauerns von Christian Wulff nicht ab." "Das ist für einen Bundespräsidenten verheerend", sagte Montag.

Auch in Niedersachsen riss die Kritik an Wulff nicht ab. SPD und Grüne in Hannover dringen weiterhin darauf, in einer Sondersitzung des Ältestenrates des Landtages noch offene Fragen zu klären. Ob es noch vor Weihnachten zu dieser Sitzung kommt, ist aber fraglich.