Wulff: "Im Internet kursieren lauter Schweinereien über meine Frau"

10. Februar 2016 - 12:24 Uhr

'WulffPlag' rekonstruiert Anruf beim 'Bild'-Chefredakteur

Bundespräsident Christian Wulff kommt nicht zur Ruhe. Deutschland rätselt, was Wulff auf die Mailbox von 'Bild'-Chefredakteur Kai Diekmann gesprochen hat. Die Plattform 'WulffPlag' will möglichst genau und objektiv alle Vorwürfe gegen Christian Wulff, einschließlich aller be- und entlastenden Umstände auflisten. Bisher ist nicht erkenntlich, wer hinter 'WulffPlag' steht. Mitmachen kann jeder, der möchte, denn die Plattform funktioniert nach dem Prinzip des "Crowdsourcing". Darunter versteht man das Involvieren von einer Gruppe von Internetnutzern außerhalb der Strukturen eines Unternehmens, um einen Mehrwert zu generieren.

Bundespräsident Wulff
Die Plattform 'WulffPlag' hat den Anruf des Bundespräsidenten rekonstruiert.
© dpa, Wolfgang Kumm

Bei 'WulffPlag' wurde so die Mailbox-Nachricht von Bundespräsident Wulff rekonstruiert:

"Guten Abend, Herr Diekmann. Ich rufe aus Kuwait an. Bin gerade auf dem Weg zum Emir... und deswegen hier sehr eingespannt" [auf der] Reise durch die Golfstaaten, habe täglich von acht bis elf Uhr Termine. "Warum können Sie nicht akzeptieren, dass das Staatsoberhaupt im Ausland ist und zuwarten," "bis ich Dienstagabend wiederkomme, also morgen, und Mittwoch eine Besprechung zu machen, wo ich mit Herrn ???, den Redakteuren, rede, wenn Sie möchten, die Dinge erörtere, und dann können wir entscheiden, wie wir die Dinge sehen, und dann können wir entscheiden, wie wir den Krieg führen."

"Ich habe alles offengelegt, Informationen gegeben, mit der Zusicherung, dass die nicht verwandt werden. Die werden jetzt indirekt verwandt, das heißt, ich werde auch Strafantrag stellen gegenüber Journalisten morgen, und die Anwälte sind beauftragt." "Seit Monaten" wird eine "unglaubliche" Geschichte [geplant]. "Es gab immer dieses jahrelange Gerücht, Maschmeyer hätte was damit zu tun. Wir haben dargelegt, dass das alles Unsinn ist. Und jetzt werden andere Geschichten behauptet, die Unsinn sind". [Im Internet kursieren lauter Schweinereien über meine Frau!]

Neuer Wirbel um ein Wulff-Buch

[Ich möchte] "einfach, dass wir darüber sprechen, denn wenn das Kind im Brunnen liegt, ist das Ding nicht mehr hochzuholen - das ist eindeutig" "Wenn man nicht bis Mittwoch wartet" "und dann sagt 'Okay', wir wollen den Krieg und führen ihn. Das finde ich sehr unverantwortlich von Ihrer Mannschaft, und da muss ich den Chefredakteur schon jetzt fragen, ob er das so will, was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann." So "wie das gelaufen ist in den letzten Monaten, ist das inakzeptabel, und meine Frau und ich werden Mittwochmorgen eine Pressekonferenz machen zwischen dem japanischen Ministerpräsidenten und den weiteren Terminen und werden dann entsprechend auch öffentlich werden, weil diese Methoden Ihrer Journalisten, des investigativen Journalismus nicht mehr akzeptabel sind."

"Der Rubikon ist für mich überschritten und für meine Frau auch" [Ich] hoffe "dass Sie die Nachricht abhören ... Und ich bitte um Vergebung, aber hier ist jetzt für mich ein Punkt erreicht, der mich "zu einer Einhaltung/Handlung/Eilhandlung" zwingt, die ich bisher niemals in meinem Leben präsentiert habe. Die hatte ich auch nie nötig." "Das bedeutet den endgültigen Bruch zwischen dem Bundespräsidenten und dem 'Springer'-Verlag"[, sollte] diese "unglaubliche" Geschichte tatsächlich erscheinen."

Derweil könnte ein weiterer Buchdeal Wulff in Erklärungsnot bringen. Ein Freund des CDU-Politikers, der Filmproduzent David Groenewold, zahlte nach Informationen von 'Spiegel Online' dem Autor eines im Mai 2006 veröffentlichten Wulff-Buchs mehrere tausend Euro an Honoraren. Der Fall werfe Fragen auf, weil sich Wulff seinerzeit als niedersächsischer Ministerpräsident für die Interessen der Filmbranche stark gemacht habe, in der Groenewold aktiv gewesen sei. Es geht um das Buch mit dem Titel 'Christian Wulff - Deutschland kommt voran'.

Unterdessen verkündete Wulffs Anwalt, die durch den Bundespräsidenten angekündigte Herausgabe der detaillierten Fragen und Antworten werde es nicht geben. Nach einem Bericht des 'Tagesspiegels' sagte der Bonner Anwalt Gernot Lehr, der geführte Schriftverkehr zwischen Anwälten und Dritten falle unter die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht. Damit umgeht Wulff das in seinem Fernsehinterview gegebene Transparenz-Versprechen: "Ich gebe Ihnen gern auf die 400 Fragen 400 Antworten." Man müsse die Transparenz weitertreiben, was auch neue Maßstäbe setze.

Wulff selbst versucht, zu inhaltlichen Schwerpunkten zurückzukehren. Beim traditionellen Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps widmete er sich den Themen Integration und Kampf gegen den Rechtsextremismus. Deutschland werde Fremdenhass und politischen Extremismus nicht dulden, versicherte Wulff.