Wulff: "Das muss man verantworten - das kann ich"

10. Februar 2016 - 12:00 Uhr

Bundespräsident Wulff sieht sich dem Druck gewachsen

Ungeachtet der schwersten Krise seiner Amtszeit ist für Bundespräsident Christian Wulff (CDU) ein Rücktritt kein Thema. "Man muss selber wissen, was man macht", sagte Wulff in Wittenberg und verteidigte damit die Annahme seines Privatkredits. "Das muss man verantworten - das kann ich", ergänzte er auf die Frage, wie er den politischen Druck aushalte.

Der Bundespräsident steht zu seinem Kredit und "kann das verantworten".
Bundespräsident Wullf sieht sich dem zunehmenden Druck gewachsen und nimmt weiter seine Amtsgeschäfte wahr.
© dpa, Peter Endig

Er äußerte sich damit erstmals in der Öffentlichkeit zu dem seit einer Woche bekannten 500 000-Euro- Kredit, den er 2008 noch als niedersächsischer Ministerpräsident nach eigener Darstellung von einer befreundeten Unternehmergattin aufnahm.

Er könne sich weiter wunderbar mit den Bürgern unterhalten, erklärte Wulff bei einem Empfang. "Das ist eigentlich das Wichtige, das Wesentliche, dass man die Dinge bewertet (...) und dann auch unterscheidet, wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden", sagte Wulff. "Das muss man voneinander trennen."

Weiteren Staub aufwirbeln will Wulff nicht, vielmehr hofft er, dass die Wogen sich bald glätten und er sich weiterhin "wunderbar mit den Bürgern unterhalten kann".

Opposition: Glaubwürdigkeit beschädigt

Die Opposition sieht die Glaubwürdigkeit von Wulff beschädigt und forderte ihn auf, alle Fakten auf den Tisch zu legen. Es sehe so aus, als ob Wulffs Freund, der frühere Unternehmer Egon Geerkens, bei der Kreditvergabe "ein kleines Scheingeschäft eingefädelt hat", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles brachte sogar indirekt einen Rücktritt Wulffs ins Gespräch. "Er sollte jetzt sehr schnell und wirklich offensiv alles auf den Tisch packen. Wenn er das nicht kann, dann allerdings sollte er darüber nachdenken, ob er weiter Vorbild in Deutschland sein kann", sagte Nahles. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, forderte Wulff laut 'Leipziger Volkszeitung' auf, seine "Bringschuld" rasch zu erfüllen.

Nach einer von der 'Welt' zitierten Bundesbank-Statistik habe man 2008 etwa fünf Prozent Zinsen zahlen müssen. Wulff hatte sein Darlehen zu vier Prozent erhalten. Zudem gilt es als ungewöhnlich, Wohnungskredite ohne Grundbucheintrag als Sicherheit zu vergeben, schreibt das Blatt. Außerdem kritisierte die 'Welt', dass Wulff nicht auf die Verwaltungsvorschrift zu dem Gesetz eingegangen sei, das die Gewährung "zinsgünstiger Darlehen" ausdrücklich untersage.

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