Wulff: Augen zu und durch?

10. Februar 2016 - 12:03 Uhr

Kreditaffäre: Der Druck auf Wulff nimmt zu

Neue Details über das Hausdarlehen und eine gesponserte Anzeigenkampagne bringen Bundespräsident Christian Wulff (CDU) weiter in Bedrängnis. In seiner Weihnachtsansprache geht das Staatsoberhaupt allerdings nicht auf die Vorwürfe ein.

Bundespräsident Christian Wulff
Besser die Wahrheit? Christian Wulff muss sich derzeit an seinen hohen Ansprüchen messen lassen.
© dpa, Holger Hollemann

Fest steht: Der Druck auf Wulff nimmt mit jedem neuen Detail zu. Die Opposition wirft dem 52-Jährigen vor, immer nur scheibchenweise mit der Wahrheit herauszurücken. SPD-Politiker Sebastian Edathy zog Parallelen zum Fall von Karl-Theodor zu Guttenbergs (CSU), der als Verteidigungsminister nach massivem Druck wegen abgeschriebener Passagen in seiner Doktorarbeit zurückgetreten war. "Erst wird dementiert, dann wird behauptet, es gebe Missverständnisse, dann wird eine Teilentschuldigung vorgenommen", kritisierte der SPD-Innenexperte in 'Handelsblatt-Online'. Täglich nähmen die Zweifel zu, ob der Bundespräsident noch seiner Vorbildfunktion gerecht werde.

In seiner am Mittwochnachmittag aufgezeichneten Weihnachtsansprache ging Wulff nach Angaben aus Teilnehmerkreisen nicht auf die Vorwürfe ein. Lediglich bei der Begrüßung der Zuhörer vor der offiziellen Aufzeichnung äußerte er sich indirekt und eher beiläufig dazu, wie Teilnehmerin Christine Bohn aus Berlin sagte: Wulff habe erklärt, dass in der heutigen Zeit des Internets alles, was man irgendwann einmal gemacht habe, irgendwann ans Licht komme und man darauf vorbereitet sein sollte. Die Fernsehaufzeichnung wurde von etwa 70 Gästen in Wulffs Amtssitz Schloss Bellevue verfolgt. Die Rede, in deren Mittelpunkt er den Zusammenhalt in der Gesellschaft und in Europa stellte, soll am Abend des ersten Weihnachtstags ausgestrahlt werden.

Neue Details zum umstrittenen Privatkredit

Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestätigte erstmals, dass der Unternehmer Egon Geerkens in die Verhandlungen über den 500.000-Euro-Kredit für den Kauf des Privathauses des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten eingeschaltet war. Dies sei aufgrund des besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen von Geerkens zu Wulff geschehen, teilte Lehr in einem Schreiben an die Zeitung 'Die Welt' mit. Das Darlehen selbst sei aber von Geerkens' Ehefrau Edith gewährt worden.

Auch zu den Vorwürfen rund um Wulffs Interview-Buch wurden weitere Einzelheiten bekannt. Der mit ihm befreundete Unternehmer Carsten Maschmeyer hatte eine Anzeigenkampagne für den Band 'Besser die Wahrheit' finanziert. Von diesen Zahlungen wusste der damalige Ministerpräsident in Hannover nach Angaben seines Anwalts, Maschmeyers und des Verlages jedoch nichts. Nach Informationen der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' wurden auf Wunsch Maschmeyers die Rechnungen mehrfach für die PR-Aktion geändert. Dadurch habe der Geschäftsmann offenbar seine großzügige Unterstützung für Wulff verbergen wollen, schrieb das Blatt.

Bei der Staatsanwaltschaft Hannover liegen inzwischen neun Strafanzeigen gegen Wulff vor. Auf einen Untersuchungsausschuss wollen und SPD und Grüne im niedersächsischen Landtag vorerst verzichten. Zunächst müssten alle anderen parlamentarischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, erklärten ihre Vertreter.