Wrack von verschollenem AirAsia-Flieger gefunden: Wohl alle 162 Passagiere sind tot

04. Januar 2015 - 13:53 Uhr

Rund 40 Tote auf Helikopter und Schiffe gebracht

Zwei Tage nach dem Verschwinden des AirAsia-Passagierflugzeugs haben Suchmannschaften die Absturzstelle vor der Küste Borneos entdeckt und zahlreiche Tote geborgen. Nach Angaben der Einsatzleitung wurden die Leichen von 40 Menschen an Bord von Helikoptern und Schiffen gebracht. Die Ermittler gehen davon aus, dass alle 162 Menschen an Bord ums Leben gekommen sind.

Angehörige der Passagiere des abgestürzten Flugzeugs QZ8501.
Tiefe Verzweiflung unter den Angehörigen der Passagiere des Airbus. Die Ermittler vermuten, dass keiner der 162 Passagiere von Flug QZ8501 überlebt hat.
© dpa, Made Nagi

Die Suchmannschaften fanden ein großes Trümmerfeld in den relativ flachen Gewässern der Javasee südlich von Borneo. Der Leiter der Rettungskräfte und die Fluggesellschaft bestätigten, dass die gefundenen Teile zu der Maschine gehörten. Die Luftwaffe hatte am Mittag die ersten Wrackteile im Meer entdeckt, darunter etwas, das wie eine Notrutsche aussah, und mögliche Teile einer Flugzeugtür. Auch Rettungswesten und mehrere Sauerstofftanks wurden entdeckt, wie ein Sprecher mitteilte. Kurz darauf wurden Leichen gesichtet. Spezialisten seilten sich von Hubschraubern ab, um die Toten zu bergen.

Schiffe sind in der Region unterwegs, um die Trümmerteile an Bord zu nehmen. Die Bergungskräfte suchen gleichzeitig nach den Blackboxen der Maschine, die Aufschluss über die letzten Minuten an Bord geben können.

Der Airbus A320 mit 162 Insassen war auf dem Weg von Surabaya in Indonesien nach Singapur. Der Pilot hatte eine Gewitterfront gemeldet. In der Region ist das zu dieser Jahreszeit üblich, und normalerweise keine Gefahr für Flugzeuge. Mindestens sechs weitere Maschinen waren in unmittelbarer Nähe und flogen ohne Probleme zu ihren Zielen.

"Papa, komm heim, wir brauchen dich noch"

Bis zuletzt hatten die Angehörigen der Passagiere an ein Wunder Glauben wollen. Sie verfolgen die Entdeckung der Wrackteile und Leichen am Flughafen von Surabaya live im Fernsehen. "Papa, komm heim, wir brauchen dich noch", twitterte die Tochter von Pilot Iriyanto, Stunden bevor mit dem Fund der Airbus-Trümmer der Tod der Passagiere immer mehr zur Gewissheit wird.

Ein TV-Sender zeigte eine Leiche, die auf dem Meer treibt. Nach empörten Anrufen wurde das Video nicht mehr ausgestrahlt. Die Angehörigen sind in einem Aufenthaltsraum abgeschirmt, berichten Reporter, doch ihre Schreie und Klagerufe hallen durch das Gebäude. Eine Frau wurde bewusstlos auf einer Krankentrage hinausgebracht. Seelsorger und Psychologen sind vor Ort.

"Mein Herz ist voller Trauer für alle Familien von QZ8501", twitterte AirAsia-Chef Tony Fernandes. Er war in Surabaya, um die Angehörigen zu trösten. Indonesiens Präsident Joko Widodo sagte: "Mein Mitgefühl gilt den Familien der Passagiere und Besatzungsmitglieder, ich fühle mit ihnen." Er fügte hinzu: "Höchste Priorität hat die Bergung der Opfer, wir wollen das so schnell wie möglich abschließen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte Indonesien die Anteilnahme Deutschlands. "Mit großer Bestürzung habe ich von dem tragischen Flugzeugunglück erfahren, das zahlreiche Opfer gefordert hat", schrieb Merkel in einem Kondolenztelegramm an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo. "Ich möchte Sie meiner großen Anteilnahme und meines tiefen Mitgefühls versichern." Die Kanzlerin bat, den Hinterbliebenen der Opfer ihr aufrichtiges Beileid zu übermitteln.

Die Absturzursache des Airbus ist weiterhin unklar, die Behörden gehen aber von einem Unglück aus. Der Pilot des indonesischen AirAsia-Airbus A320-200 hatte bei den Fluglotsen um die Erlaubnis gebeten, etwa 2.000 Meter zu steigen, um einer Gewitterzone zu entgehen. Wegen des dichten Flugverkehrs in dem Gebiet sei ihm dies verweigert worden, hatte das Verkehrsministerium erklärt. Wenige Minuten später sei das Flugzeug vom Radar verschwunden. Ein Notsignal sei nicht abgesetzt worden.