Worum geht es in der Ostukraine?

25. April 2014 - 10:54 Uhr

RTL-Reporter Dirk Emmerich berichtet aus Donezk

Im Osten der Ukraine fordern prorussische Kräfte ein Referendum nach dem Vorbild der Krim. Allerdings verhält sich Russland in diesem Fall deutlich zurückhaltender. Die prowestliche Regierung der Ukraine will den Widerstand der Demonstranten notfalls mit Gewalt brechen. "Diejenigen, die auf Konflikt setzen, werden die Härte des ukrainischen Staates zu spüren bekommen", sagte Innenminister Arsen Awakow und schiebt eine Art Ultimatum hinterher: "Ich denke, dass in den nächsten 48 Stunden eine Lösung für diese Krise gefunden wird."

Worum geht es in der Ostukraine?
Prorussischer Aktivist in Donezk
© REUTERS, STRINGER

Im Zentrum der östlichen Industriemetropole Donezk marschierten Sicherheitskräfte auf. Es herrscht allerdings die Sorge, dass Russland eine Eskalation der Lage zum Vorwand nehmen könnte, um zum Schutz der russischsprachigen Bevölkerung einzugreifen.

In der östlichsten Großstadt der Ukraine, Lugansk, halten bewaffnete prorussische Aktivisten weiterhin das Gebäude des Geheimdienstes besetzt. Sie fordern - wie auch Russland - eine Föderalisierung der Ukraine und mehr Rechte für die russischsprachigen Regionen.

Doch "anders als auf der Krim gibt es hier keine russische Mehrheit. Käme es aber zu einem Referendum, ist eine Mehrheit nicht ausgeschlossen. Es ist gibt durchaus Menschen, die glauben, dass es ihnen in Russland wirtschaftlich besser gehen könnte", erklärt RTL Reporter Dirk Emmerich in Donezk.

Warum aber ist die Ostukraine so interessant für Russland? Es ist das industrielle Zentrum mit vielen Verflechtungen nach Russland. Und hier gibt es wertvolle Rohstoffe.

Steinmeier appelliert an Wirtschaft

Allerdings will der Westen eine mögliche weitere Annexion ukrainischen Gebietes durch Russland unbedingt verhindern, deswegen bringt man die NATO ins Spiel. Noch spielt sie keine aktive Rolle im Konflikt.

"In den Überlegungen Russlands allerdings spielt das westliche Militärbündnis aber natürlich schon eine große Rolle", so Emmerich. "Der Kreml will auf jeden Fall verhindern, dass die Ukraine der NATO beitritt und das Bündnis sich so weiter Richtung Osten ausbreitet."

Was also droht Deutschland im schlimmsten Fall? "Wenn Russland seinen harten Kurs fortsetzt und hier womöglich sogar militärisch eingreift, käme es zu Sanktionen des Westens und zu Gegensanktionen Russlands, die dann die deutsche Wirtschaft treffen würden", so Emmerich.

An diese appellierte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) noch einmal eindringlich: "Wir sollten nicht dem Missverständnis unterliegen, als könne ganz unabhängig und ganz abseits der Politik eine wirtschaftliche Welt existieren, die es nichts angeht, wenn wichtige Grundvoraussetzungen für das friedliche Zusammenleben in Europa infrage stehen."