Worst Case eingetreten - BP bricht Test ab

© dpa, Ann Heisenfelt

15. Juli 2010 - 16:19 Uhr

Pleiten, Pech und Pannen bleiben BP treu

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Ölpest im Golf von Mexiko hat sich schon nach wenigen Stunden wieder zerschlagen. Aufgrund eines Lecks am neuen, 68 Tonnen schweren Zylinder wurde der Belastungstest gestoppt. Die Panne solle im Laufe des Tages behoben und der Testlauf fortgesetzt werden, sagte ein BP-Sprecher.

Knapp drei Monate nach Beginn der verheerenden Umweltkatastrophe ist damit wieder ein Versuch des Unternehmens vorerst gescheitert, das unablässig ausströmende Öl endlich einzudämmen. In den USA verwundert dies wohl kaum einen - es ist lediglich eine Fortsetzung einer Serie von Verzögerungen und Misserfolgen. Wann immer der Konzern Kappen oder Absaugsysteme installierte, Schäden an der Quelle reparieren oder das Leck verstopfen wollte, dauerte es länger als geplant. Entweder machten ihm technische Probleme, die geringe Erfahrung in solch großer Tiefe oder das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Kommt der Supertanker zum Einsatz?

Erst in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) hatte die US-Regierung die Erlaubnis erteilt, den neuen Zylinder über dem Bohrloch einem als heikel eingeschätzten Belastungstest zu unterziehen. Experten begründeten die Verzögerung mit der Sorge, dass der entstehende Druck zu noch größeren Schäden führen könne.

In einem ersten Schritt wurde in der vergangenen Nacht zunächst eine von mehreren Öffnungen des Zylinders geschlossen, teilte BP-Manager Kent Wells mit. Danach sollten nach und nach weitere Ventile und Zuleitungen geschlossen werden. Alle sechs Stunden wollten Experten dann den Druck messen, um den Erfolg des Vorgehens zu überprüfen.

Niedrige Werte könnten bedeuten, dass an anderer Stelle aus dem kilometerlangen Steigrohr im Meeresboden Öl austritt. Hohe Druckwerte zeigten dagegen, dass die Vorrichtung funktioniere. Dann machte das hydraulische Leck an einer Leitung, die zu einem der Ventile führt, den BP-Ingenieuren vorübergehend einen Strich durch die Rechnung.

Doch selbst wenn die Vorrichtung funktioniert, wäre sie nur eine vorübergehende Lösung. Vollständig verschließen sollen die Quelle Entlastungsbohrungen mehrere Kilometer unter dem Meeresboden. Damit wird aber frühestens Ende Juli oder Anfang August gerechnet.

Am kommenden Wochenende könnte die Entscheidung fallen, ob der Supertanker 'A Whale' (Ein Wal) eingesetzt wird. Die jüngsten Einsatztests des Schiffes seien positiv verlaufen. Allerdings sei jetzt schon so lange Öl ins Meer gelaufen, dass es immer problematischer werde, die schmutzige Brühe aufzusaugen. 'A Whale' soll täglich knapp 80 Millionen Liter verdrecktes Wasser aufnehmen und es vom Öl trennen können. Der Tanker wurde noch nie unter realen Bedingungen getestet. Küstengemeinden von Louisiana bis Florida macht der mögliche Schiffseinsatz Hoffnung, dass ihre Strände dann doch nicht vollends ruiniert werden.