Wolfsburg: "Gras fressen" für Europa

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14. Oktober 2013 - 13:50 Uhr

Ein Spitzentrio im Gleichschritt, Torjäger mit Zielwasser und schon drei Trainer-Rauswürfe - die ersten acht Spieltage der 51. Bundesliga-Saison waren reich an Geschichten. Die sport.de-Redaktion zieht eine erste Bilanz und nimmt die 18 Vereine genauer unter die Lupe.

Am 8. Spieltag unterlag der VfL Wolfsburg dem bis dahin sieglosen Aufsteiger Eintracht Braunschweig im Derby mit 0:2. Doch es waren nicht einfach drei verlorene Punkte, es war der vorläufige Tiefpunkt einer durchwachsenen Saison.

"Wir haben im Derby versagt und beschissen gespielt. Das war des VfL Wolfsburg nicht würdig und der emotional schwierigste Moment seit ich hier bin", erklärte ein fassungsloser Marcel Schäfer nach der Partie. Und der 29-Jährige brachte es auf den Punkt. Der VfL zeigte eine, für ein Derby, katastrophale Einstellung und brach trotz guter Spielanlagen nach dem Rückstand völlig auseinander. Die Fans waren enttäuscht und machten ihrem Unmut Luft: "Fangt an zu kämpfen, fresst Gras und leistet ehrliche Arbeit. Mehr wollen wir nicht", hieß es in einem Brief der Gruppe 'Brigade Ultras 02'.

Insgesamt ist die Situation in Wolfsburg nicht so bedrohlich, wie sie nach der Derby-Pleite wirken mag. Der Abstand auf die internationalen Plätze beträgt nur drei Punkte. "Diese Niederlage hat größere Bedeutung als andere Niederlagen und hat viel kaputt gemacht; aber wir können nicht sagen: Alles, was wir in den letzten Monaten gemacht haben, war falsch", sagte VfL-Manager Klaus Allofs der 'WAZ'.

Dennoch muss Coach Dieter Hecking schnellstmöglich den Schalter wieder umlegen. Vor allem auswärts hat sein Team viel Luft nach oben. Alle neun Punkte sicherte man sich vor heimischem Publikum. Offensiv sind die Wölfe bislang fast alles schuldig geblieben. Neun erzielte Treffer sind der zweitschlechteste Wert der Liga. Mit Ivica Olic und Ex-Viertliga-Kicker Stefan Kutschke stehen auch nur zwei fitte Angreifer im Kader. Ivan Perisic sucht seit seinem Wechsel vom BVB zum VfL seine Form, Bas Dost und Vieirinha fallen mit Verletzungen noch längere Zeit aus.

Problemfälle Diego und Gustavo

Defensiv hingegen arbeitet die Mannschaft taktisch schon sehr ordentlich. Das beste Beispiel hierfür war die 0:1-Niederlage in München. Durch konsequentes Verschieben, schnelles Umschalten und frühes attackieren machte man es dem Triple-Sieger extrem schwer. Neben Abwehrchef Naldo zeigt vor allem Robin Knoche welch großes Talent in ihm steckt. Der 21-Jährige verdrängte gar Fünf-Millionen-Mann Timm Klose auf die Bank.

Zwei andere Namen stehen in Wolfsburg dagegen sinnbildlich für die sportliche Talfahrt: Diego und Luiz Gustavo. Die beiden großen Hoffnungsträger spielen weit unter ihren Möglichkeiten. Diego gelang in acht Partien lediglich ein Tor und ein Assist. Für einen Spielmacher seiner Klasse und mit seinem Gehaltsscheck deutlich zu wenig. Zudem mangelt es an der nötigen Einstellung zu seinem Arbeitgeber. Anders sind die neuerlichen Gerüchte um einen Wechsel zu Atletico Madrid im Januar nicht zu erklären.

Mangelnden Einsatz kann man Luiz Gustavo bestimmt nicht vorwerfen. Dem ehemaligen Bayern-Spieler fehlt schlichtweg die Form. Coach Hecking ließ dies nicht unkommentiert: "Sein Zweikampfverhalten stimmt nicht. Er weiß überhaupt nicht, wie er richtig zum Mann gehen soll." Gustavo flog in fünf Partien bereits zweimal mit Gelb-Rot vom Platz. Einzig beim insgesamt starken 4:0 gegen Schalke wusste er zu überzeugen. Herzlich wenig für einen Spieler, der aktueller brasilianischer Nationalspieler ist und Wolfsburg knapp 18 Millionen Euro Ablöse gekostet hat.

Wo die Reise für Wolfsburg in dieser Saison hingeht, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Die Wölfe müssen endlich auswärts Punkte einfahren. Das gelingt aber nur, wenn sich die Mannschaft den Brief der Fans zu Herzen nimmt und die Einstellung ändert. Mit "Gras fressen" und "ehrlicher Arbeit" kann es bis nach Europa gehen. Die Qualität dafür ist vorhanden.