Wolfsattacke in Bad Wildbad: 40 Schafe sterben ausgerechnet am 'Tag des Wolfes'

1. Mai 2018 - 19:09 Uhr

"Es war ein Bild des Grauens"

"Es war ein Bild des Grauens", sagte Anette Wohlfarth, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes, nachdem sie eine Schafweide in Bad Wildbad (Baden-Württemberg) besucht hatte. Ausgerechnet am 'Tag des Wolfes' sind in dem Ort im Schwarzwald 40 Schafe ums Leben gekommen. Die meisten wurden wohl von einem Wolf gerissen, einige ertranken, weil sie in Panik in einen Bach sprangen, als die Herde angegriffen wurde. Manche Tiere waren so schwer verletzt, dass dem Schäfer nichts anderes übrig blieb, als ihr Leid zu beenden.

Auch der Zaun konnte die Schafe nicht schützen

Die Herde mit rund 150 Tieren hielt sich in einem umzäunten Areal auf, erklärte Wohlfahrt. Die Schafe waren erst vor wenigen Tagen vom Stall auf die Weide gekommen. Der Wolf durchquerte wahrscheinlich den Fluss, um die Schafe anzugreifen. "Weidetierhaltung und Wolf zusammen funktioniert nicht flächendeckend in Baden-Württemberg", erklärte die Schäferpräsidentin.

Das baden-württembergische Umweltministerium bestätigte, dass "mit hoher Wahrscheinlichkeit" ein Wolf für die Attacke verantwortlich sei. Um die Vermutung endgültig bestätigen zu können, müssten noch einige Proben analysiert werden. Falls wirklich ein Wolf der Übeltäter war, werde der betroffene Schäfer schnell entschädigt.

Wölfe zum Abschuss freigeben?

Die Attacke entfachte erneut die Diskussion über den Umgang mit den Wölfen in Baden-Württemberg. Seit 2015 wurden dort mindestens vier Wölfe gesichtet. Bundesweit gibt es etwa 800 Wölfe – vor allem in Niedersachsen im Osten der Republik. Vor allem Schäfer und Landwirte haben damit ein Problem, denn sie sind die Leidtragenden, wenn die Raubtiere über die Herden herfallen.

FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke forderte, dass der Wolf unter das Jagdrecht gestellt werden müsse. "Als dicht bevölkertes Flächenland müssen wir durch bessere Kontrolle verhindern, dass Wölfe zum Problem werden." Tierschützer sehen das anders. "Jetzt gilt es, dem Schäfer so schnell wie möglich zu helfen", sagte Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Baden-Württemberg müsse sich auf die Rückkehr der Wölfe einstellen. Mit effektivem Herdenschutz ließen sich solche Vorfälle in der Regel verhindern.

Der Nabu-Chef hat auch die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hinter sich. 79 Prozent der Bundesbürger finden es gut, dass der Wolf bei uns langsam aber sicher wieder heimisch wird. Das ergab kürzlich eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Naturschutzbundes Deutschland.