In Gedenken an ermordeten Regierungspräsidenten

Wolfhagener Schule wird in "Walter-Lübcke-Schule" umbenannt

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat heute die bundesweit erste Walter-Lübcke-Schule eingeweiht.
© RTL, Pascal Wede/RTL

25. September 2020 - 11:48 Uhr

Gegen Rechts, für Menschlichkeit

Über ein Jahr ist es nun her, dass der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke mit einem Kopfschuss auf seiner Terrasse im nordhessischen Wolfhagen-Istha getötet wurde. Der Prozess um den mutmaßlichen Mörder Stephan Ernst läuft aktuell am Frankfurter Oberlandesgericht. Parallel dazu haben Schüler der ehemaligen Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen ein Zeichen gegen Rechts gesetzt und sich für die Umbenennung ihrer Schule stark gemacht – mit Erfolg. Jetzt besuchen sie die bundesweit erste "Walter-Lübcke-Schule".

"Walter-Lübcke-Schule" wurde nun offiziell eingeweiht

Im November 2019 stellte die Schülervertretung den Antrag auf die Umbenennung ihrer Schule. Am 22. Juni 2020 stimmte der Kasseler Kreistag dem Anliegen zu und machte den Weg frei für die Umbenennung von "Wilhelm-Filchner-Schule" in "Walter-Lübcke-Schule". Am Freitag kam der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vorbei, um die Schule in Anwesenheit der Presse und der Schülervertretung offiziell einzuweihen.

"Weil er für seine Werte einstand und sie dort vertrat, wo es unbequem war, musste er sein Leben lassen", sagte Bouffier in seiner Rede, "Diese Gewalttat muss uns aufrütteln. wir dürfen unsere politische Kultur und Auseinandersetzung nicht den Extremen in unserem Land überlassen." Lübcke sei stets der "Junge vom Dorf" geblieben, wie er das zu Lebzeiten selbst einmal formuliert hat. Laut Bouffier war er immer für die Menschen da und war zu jederzeit immer ansprechbar. Die Wolfhagener Schule soll sein Vermächtnis weitertragen und immer an eine herausragende Persönlichkeit aus der Region zurückerinnern.

"Für Demokratie streiten"

Die Schülervertretung wies in ihrem Statement darauf hin, dass Lübckes Tötung im rechtsextremistischen Zusammenhang steht. Lübcke hatte im Jahre 2015 in mehreren Gemeinden des Kasseler Regierungsbezirks Informationsveranstaltungen zu geplanten Flüchtlingsunterkünften abgehalten und die Migrationspolitik verteidigt. Daraufhin soll er jahrelang von Rechtspopulisten öffentlich angefeindet worden sein. Lübckes Motto lautete "für Demokratie streiten". Aus Sicht der Schülervertretung ist dieses Motto aktueller denn je.

Darüber hinaus sei Walter Lübcke ein "zeitgemäßer Namenspatron" mit regionalem Bezug, der durch seine Haltung gezeigt hat, dass er ein Vorbild für eine offene, freiheitlich-demokratische und tolerante Gesellschaft ist.