Erneutes Drohschreiben aus der rechten Szene

Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen erhält Bombendrohung von "NSU 2.0"

Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen
Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen
© dpa, Swen Pförtner, spf jai

02. Februar 2021 - 12:26 Uhr

Drohung gegen Schüler

Kurz nach der Urteilsverkündung im Mordfall Walter Lübcke hat die nach dem ehemaligen Kasseler Regierungspräsidenten benannte Schule in Wolfhagen (Landkreis Kassel) ein Drohschreiben erhalten. Das Schreiben wird der rechtsextremen Szene zugeordnet. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Ermittlungen an der Walter-Lübcke-Schule laufen

Das Schreiben ist nach Informationen des Hessischen Rundfunks bereits am Freitag eingegangen, einen Tag nach der Urteilsverkündung im Fall Walter Lübcke. Unterschrieben war das Drohscheiben mit "NSU 2.0". Die Polizei hält sich aktuell noch mit Informationen bedeckt, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Nachdem das Schreiben entdeckt worden war, wurde die Schule durchsucht, verdächtige Personen oder Gegenstände seien allerdings nicht gefunden worden, so die Polizei. Man nehme das Schreiben aber sehr ernst.

NSU 2.0 verschickt seit 2018 Drohmails

Bereits seit 2018 werden immer wieder Drohmails und Nachrichten an Menschen verschickt, die sich öffentlich gegen Rechtsextremismus und Rassismus stellen. Das Kürzel "NSU 2.0" verweist auf den rechtsterroristischen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU), der zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordete. Auch Linken-Fraktionschefin Janine Wissler erhielt bereits Hassbotschaften, ebenso wie die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz. Da in diesen Nachrichten auch immer wieder geheime persönliche Daten der Adressaten genannt werden, wird vermutet, dass die Nachrichten aus den Reihen der Polizei kommen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Schüler lassen sich nicht einschüchtern

Im vergangene Sommer hatte die Schülervertretung der Gesamtschule in Wolfhagen eine Namensänderung von "Wilhelm-Filchner-Schule" zu "Walter-Lübcke-Schule" beantragt. Am Tag der Urteilsverkündung hatten die Schüler eine Mahnwache vor dem Gerichtsgebäude abgehalten. Angst habe man keine, so der Schulsprecher Lukas Mühlbauer gegenüber der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine". Die Demokratie zu verteidigen und sich nicht den Mund verbieten zu lassen, das sei man der Region und vor allem Walter Lübcke schuldig. Die Schulleitung und die Polizei beraten nun über mögliche Sicherheitsmaßnahmen mit dem Landkreis Kassel.

Ermittlungen wegen Hasspostings und Drohungen laufen weiter

Die "Heilbronner Stimme" meldete heute, dass das hessische Landeskriminalamt aktuell noch zehn Ermittlungsverfahren wegen Hasspostings im Zusammenhang mit dem Mord an Walter Lübcke führe. 244 Ermittlungsverfahren seien bereits an die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main abgegeben worden.

Auch interessant