2019 M01 18 - 19:22 Uhr

Schäuble betont die vielen Missstände bei der Gleichberechtigung

Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen. Die Sozialdemokratin Marie Juchacz hielt damals, am 19. Januar 1919, als erste Frau eine Rede in der Nationalversammlung. Seitdem hat sich vieles in unserer Gesellschaft verändert, aber nicht genug, wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble findet. Er sieht noch immer viele Missstände bei der Gleichberechtigung und fordert Männer nun auf, mehr im Haushalt zu helfen. Seine Kollegen reagieren mit gemischten Gefühlen darauf. 

Schäuble als Vorkämpfer für mehr Hausarbeit der Männer

Bei der Feierstunde des Bundestags zu 100 Jahren Frauenwahlrecht wurde Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble vor den Abgeordneten und Ehrengästen ziemlich deutlich: Es sei eine wohl unumgängliche Erkenntnis, "dass wir die für unsere Gesellschaft unverzichtbaren Tätigkeiten, die auch heute noch ganz überwiegend Frauen unbezahlt verrichten, anders aufteilen müssen: Kindererziehung, Hausarbeit, Pflege."

Im Klartext bedeutet das: Kochen, Putzen und Aufräumen ist auch Männersache! Ob das jeder im Bundestag so toll fand? Im Saal saßen überwiegend männliche Parlamentarier - der Frauenanteil liegt dort bei 30,7 %. 

So reagieren Schäubles Kollegen auf seine mahnenden Worte

"Ich koche sehr gern", sagte dazu Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) der "Bild"-Zeitung. "Und ich räume regelmäßig die Geschirrspülmaschine ein und aus. Ich muss aber gestehen, dass ich ansonsten nur selten dazu komme, im Haushalt mitzuhelfen."

Auch der Vorsitzende der Linken-Fraktion, Dietmar Bartsch, gab sich eher verlegen: "Leider ist die Hausarbeit weiterhin nicht gleichberechtigt aufgeteilt. Auch bei mir. Jeder, auch ich, sollte also bei sich selbst beginnen und nicht über andere reden."

FDP-Politiker Wolfgang Kubicki reagierte lakonischer: "Ich mache die Weinflaschen auf und bringe den Müll raus. Außerdem arbeite ich gelegentlich den Einkaufszettel meiner Frau ab und hole sonntags die Brötchen."