Wohnungslose haben es in der Corona-Krise besonders schwer

Wohnungslose Menschen liegen unter einer Eisenbahnunterführung in Hannover. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild
Wohnungslose Menschen liegen unter einer Eisenbahnunterführung in Hannover. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild
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30. November 2021 - 12:30 Uhr

Hannover/Bremen (dpa) - Die Corona-Krise hat die Lage der obdach- und wohnungslosen Menschen in Niedersachsen und Bremen verschlechtert. Viele haben wegen der Pandemie weniger Möglichkeiten, zeitweise bei Freunden und Verwandten unterzukommen, sagte der Geschäftsführer der Landesarmutskonferenz Niedersachsen, Klaus-Dieter Gleitze. Auch öffentliche Angebote, sich in beheizten Räumen aufzuhalten, sind begrenzt, da zum Beispiel Mindestabstände eingehalten werden müssen. Mancherorts werden zusätzliche Räumlichkeiten eingerichtet.

So sollen Obdachlose in Hannover von Mittwoch an einen neuen Tagesaufenthalt in der Notschlafstelle Alter Flughafen 12 bekommen, wie eine Stadtsprecherin sagte. Bis zu 50 Menschen können sich dort aufhalten, betrieben wird das Angebot von der Stadt in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz. "Wir wollen hilfsbedürftigen Menschen in Hannover damit eine weitere Anlaufstelle anbieten", sagte Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) laut Mitteilung. "Solidarität und schnelles Handeln sind jetzt das Gebot der Stunde." Der Tagesaufenthalt soll die Notschlafstelle Alter Flughafen ergänzen, Menschen können sich nun durchgängig dort aufhalten, duschen und Wäsche waschen. Warme Getränke und Brötchen gibt es auch. Die Stadt verwies darauf, dass es weitere Übernachtungsmöglichkeiten für Bedürftige gibt und das Angebot ausgebaut werden soll.

Aus Sicht der Landesarmutskonferenz braucht Niedersachsen dringend mehr menschenwürdige Wohnmöglichkeiten für Obdachlose und Menschen in prekären Wohnsituationen. "Massenunterkünfte sowie die derzeitigen Standards der Unterbringung sind nicht mit der Würde des Menschen vereinbar", hieß es. Die Organisation fordert Land und Kommunen auf, Hotels anzumieten oder anderweitig Wohnmöglichkeiten zu schaffen. "Wohnen ist mehr als ein Dach überm Kopf. Jeder Mensch braucht einen sicheren (Rückzugs-)Ort." Nach Schätzungen gibt es in Niedersachsen mehr als 50.000 Wohnungslose und mehr als 5000 Obdachlose.

Die Landesarmutskonferenz ist ein Zusammenschluss der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen, des DGB-Landesbezirks Niedersachsen/Bremen, von Verbänden und von Initiativen auf Landesebene. Eins ihrer Ziele ist, Vorschläge zur Bekämpfung der Armut auf Landesebene zu entwickeln.

Bedürftige haben weniger Möglichkeiten als andere, sich vor dem Coronavirus zu schützen. So haben es Wohnungs- und Obdachlose mitunter schwer, an Test- und Impfmöglichkeiten zu kommen. "Sie sind häufiger von Vorerkrankungen betroffen und haben ein erhöhtes Risiko einer Coronavirus-Erkrankung und eines schwereren Krankheitsverlaufs. Außerdem sterben sie eher an Covid-19", sagte Gleitze. "Die Covid-19-Pandemie verstärkt massiv bestehende Ungleichheiten gerade für die Schwächsten der Schwachen." Wohnungslose sind Menschen ohne eigenen Mietvertrag, Obdachlose haben weder einen festen Wohnsitz noch eine Unterkunft.

In Bremen haben nach Schätzungen des Sozialressorts etwa 600 Menschen keine Wohnung. "Die meisten von ihnen bringen wir unter", sagte Sprecher Bernd Schneider. Ihm zufolge gehen bis zu 500 der Bedürftigen regelmäßig in Unterkünfte. "Es muss niemand auf der Straße schlafen", sagte Schneider. Jeder, der einen Platz wolle, bekomme einen - auch wenn das nicht immer einfach zu organisieren sei. Die Corona-Ansteckungszahlen sind demnach unter den Wohnungslosen relativ gering. "Sie nehmen auch Impfangebote wahr", sagte der Sprecher.

Auswirkungen hat die Pandemie demnach auf die Menge der Spenden, welche die Bedürftigen sammeln. Auch sei das ehrenamtliche Engagement bei den Hilfsangeboten infolge der Krise zurückgegangen. Aber: "Es gibt nach wie vor jede Menge Unterstützungsangebote." Große Schlafräume gebe es in der Corona-Zeit nicht, nach Möglichkeit würden die Menschen in Ein- oder Zweibettzimmern untergebracht. In Notunterkünften könne dies aber anders sein. Wohnungs- oder Obdachlose mit Hunden haben es dem Sprecher zufolge schwer, einen Schlafplatz mit ihrem Tier zu bekommen. "Menschen mit Hunden unterzubringen, ist schwierig. Dafür haben wir noch keine Lösung", sagte Schneider.

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Quelle: DPA