Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft

Wohnungsnot in Städten immer schlimmer

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25. Juli 2019 - 11:06 Uhr

Es wird zu wenig gebaut

Wohnraum in Deutschland ist vielerorts knapp, besonders wenn er bezahlbar sein soll. Neue Zahlen bestätigen das. Besonders betroffen sind unsere Großstädte. Grund: Es wird einfach zu wenig gebaut.

Zu viel Bürokratie, zu wenig Personal in Ämtern und auf dem Bau

MIETEN WAHNSINN - GER, Germany, Deutschland, Berlin, 30.03.2019 - Wohnen in Berlin - Anschlag an einem Mast in Berlin-Mitte mit der Aufschrift: Gemeinsam gegen Verdrängung und - MIETEN WAHNSINN - DEMO SA 6.4.2019 - ALEXANDERPLATZ 12 UHR - Aktionswoch
Aufruf zu einer Demo gegen zu hohe Mieten in Berlin.
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In Köln beispielsweise sei der Bedarf an Neubauwohnungen seit 2016 noch nicht mal zur Hälfte gedeckt worden (46 Prozent), heißt es in der Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Autoren verglichen hierbei die Zahl der in den vergangenen drei Jahren fertiggestellten Wohnungen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Leerständen schätzten.

In anderen Großstädten sieht es ebenfalls schlecht aus. So wurden in Stuttgart 56 Prozent der Wohnungen gebaut, die nötig gewesen wären. Nur etwas besser war die Lage in München (67 Prozent), Berlin (73) und Frankfurt/Main (78). "Hier fehlen nicht nur aktuell Wohnungen, sondern auch längerfristig bedarf es einer weiteren Steigerung der Bautätigkeit", heißt es in der Studie.

Auch in vielen Universitätsstädten wie Münster werde zu wenig gebaut. Gründe für die Misere sind der hohe Zuzug in die Städte, das knappe Personal in Bauämtern, strenge Vorschriften und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft.

Bund und Länder sollten Städte mehr unterstützen

Haltestelle Wiener Platz in Köln | Verwendung weltweit
Symbolfoto Nahverkehr
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Die Städte müssten sich anstrengen, um die Mietenentwicklung zu bremsen. Entscheidend hierfür sei die Bereitstellung von Bauland, um Investoren anzulocken. Zudem sollten mehr alte Gebäude umgebaut werden, anstatt neue zu errichten.

Auch sollten Bund und Länder finanziell klamme Städte stärker unterstützen, etwa für den Ausbau des Nahverkehrs. Wenn das Umland besser angeschlossen wäre, würde das Wohnen dort attraktiver und der innerstädtische Druck des Wohnungsmarktes würde sich etwas abschwächen.

Fehlentwicklung: Auf dem Land wird zu viel gebaut

Wohnungsbau
Der Rohbau eines Einfamilienhauses. Foto: Armin Weigel/Archiv
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Völlig anders sieht es auf dem Land aus: Dort wird teilweise zu viel neu gebaut, etwa in Sachsen-Anhalt, Sachsen, im Saarland und in den Randgebieten Bayerns. "Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind", sagte einer der Autoren der Studie.

Durch Neubaugebiete vor den Türen von Kleinstädten verlieren Stadt- und Dorfzentren an Bedeutung und das Leerstand-Probleme verschärfe sich da. "Kommunen auf dem Land fernab der Metropolen sollten ein besseres Flächenmanagement betreiben, um attraktiv zu bleiben und Leerstände in der Ortsmitte zu vermeiden", empfehlen die Autoren. Der Grundsatz "Umbau vor Neubau" sei hier wichtig. In einem Drittel der deutschen Kreise sollte "die Bautätigkeit im Neubau gebremst werden, um ein Überangebot zu vermeiden."

In den Jahren 2019 und 2020 werden den Angaben zufolge in ganz Deutschland je 342.000 neue Wohnungen benötigt, um den Bedarf zu decken. 2018 wurden nur 287.000 Wohnungen fertiggestellt. Dieser Wert dürfte sich dieses Jahr nicht deutlich verändern, die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bleibt also groß.