Wohlfahrtspflege: Schuldner- und Insolvenzberatung gebraucht

Ein Berater bei einer Schuldnerberatung. Foto: Jochen Lübke/dpa/Symbolbild
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16. Juli 2020 - 17:13 Uhr

Wohlfahrtsverbände in Brandenburg rechnen aufgrund der Corona-Krise in den kommenden Monaten mit einem Anstieg von Privatinsolvenzen. Problematisch sei, dass die Einrichtungen, die Brandenburger in finanziellen Schieflagen beraten sollen, derzeit selber in Existenznot geraten, wie die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege am Donnerstag bei einem Online-Pressegespräch mitteilte. Der Verband sieht die Weiterführung zahlreicher Schuldner- und Insolvenzberatungsangebote aufgrund einer geänderten Förderung in Gefahr.

Hintergrund ist eine Landesverordnung, die eine Förderung der Stellen nach Fallzahlen vorsah. Da es in den vergangenen Monaten aufgrund der coronabedingten Einschränkungen weniger Beratungen gegeben habe, wurde den Stellen zunächst auch nur weniger ausgezahlt. Tatsächlich hätten die Mitarbeiter aber nicht weniger gearbeitet, so Sven Fischer von der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insolvenzberatung; Sach- und Personalkosten seien weiterhin auch während des Lockdowns angefallen.

Auf Hinwirken der Verbände sei die entsprechende Verordnung geändert worden. Danach wurde die Förderung der Beratungsstellen durch das Land auf 75 Prozent des Monatsdurchschnitts der im zurückliegenden Kalenderjahr geleisteten Zahlungen gekürzt. Die Änderung sei den Stellen am Montag mitgeteilt worden. Durch die Kürzung gerieten die Einrichtungen in Not. "Die Insolvenzberatung steht vor der Insolvenz", prognostizierte Liga-Vorsitzender Bernd Mones.

Es bestehe der Eindruck, dass die Beratungsstellen erheblich unter Druck gerieten, wenn erst das Moratorium für Insolvenzen auslaufe, sagte Andreas Kaczynski, Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. "Privatinsolvenzen werden auf uns zurollen." Die Beratungsstellen würden dann regelrecht überlaufen.

Quelle: DPA