Woher kommen 'Fake News' im Internet? RTL-Reporter enttarnt Hintermänner in Mazedonien

12. Dezember 2016 - 10:16 Uhr

"Mein am meisten gelesener Artikel war, dass Clinton ins Gefängnis müsse. Er war frei erfunden"

Jeder weiß, dass er nicht alles glauben sollte, was er im Internet liest. Viele tun es aber doch. Und das kann fatale Folgen haben. Denn Falschnachrichten - so genannte 'Fake News' - sind häufig professionell gemacht und sollen gezielt Meinungen beeinflussen. Auch Donald Trump soll im US-Wahlkampf bewusst 'Fake News' eingesetzt haben. Unser Reporter hat recherchiert, wer eigentlich hinter diesen Meldungen steckt. Die Spur führt in die Mazedonische Kleinstadt Veles, wo hunderte umstrittene Webseiten registriert sind.

"Mein am meisten gelesener Artikel war die Meldung, dass Hillary Clinton wegen der Emails ins Gefängnis gehen müsse. Ich habe das gar nicht verstanden, aber trotzdem kopiert. Wir schreiben hier nichts selber, sondern kopieren die Artikel von amerikanischen Blogs", sagt der 18-Jährige. Seinen Namen möchte er unserem Reporter Rick Noack nicht nennen. Das würde das Geschäft kaputt machen. Und genau darum geht es. Ums Geschäft.

Die Clinton-'Nachricht' wurde auf seiner und anderen Webseiten millionenfach gelesen - obwohl sie frei erfunden ist. Alleine auf seiner Seite hätten sich rund 100.000 Menschen täglich über den Wahlkampf in den USA informiert, sagt er. 90 Prozent von ihnen seien Amerikaner gewesen. Dass es eine mazedonische Seite ist, haben die meisten wahrscheinlich gar nicht bemerkt, denn sie sieht US-Nachrichtenseiten täuschend ähnlich. Und das ist kein Zufall.

Der 18-Jährige lebt in der Mazedonischen Kleinstadt Veles. Das Durchschnittseinkommen liegt bei gerade einmal 350 Euro im Monat. Mit 'Fake News' lässt sich das in wenigen Stunden verdienen. Hunderte Menschen kommen hier so an ihr Geld, verrät er unserem Reporter. Er selbst spricht nur gebrochen Englisch, versteht vieles von dem gar nicht, was er da verbreitet. Und dennoch tut er es. Denn mit den gefälschten Inhalten lässt sich durch Werbeanzeigen Geld verdienen. Mit jedem Klick überweisen die Werbepartner eine bestimmte Summe. Google verwaltet die Anzeigen und verdient daran mit.

Wie viel Macht solche Seiten haben können, zeigt sich an diesem Beispiel: In den entscheidenden Wochen der US-Wahl hatten die 20 meistgelesenen Fake-Geschichten mehr Leser, als die 20 wichtigsten realen Nachrichten. Welchen Einfluss hatte das auf die öffentliche Meinung? Auf das Ergebnis? Sind sich die Fälscher in Mazedonien dessen bewusst?

Ein weiterer Informant, den unser Reporter trifft, sagt dazu nur: "Wenn meine Leser sehen möchten, dass Hillary Clinton wohl ins Gefängnis geht, dann schreibe ich darüber. Denn es ist ein Geschäft. Ich produziere Inhalte, die andere Leute glücklich machen. Ja, es ist Fake. Und es wird auch weiterhin Fake bleiben." Bei dem Treffen gibt er auch seltene Einblicke in die Statistiken der Seiten. Pro Minute seien es durchschnittlich 2.000 User, die seine Beiträge lesen. Jeden Tag verdiene er damit bis zu 1.000 Euro.

Auch über eine Verbreitung von 'Fake-News' in Deutschland denke er nach, sagt er am Ende des Interviews. Zur Bundestagswahl 2017.