WM-Teamcheck: Wer tritt Deutschlands Erbe an?

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4. Juli 2018 - 16:11 Uhr

WM 2018: Wer holt sich den Titel?

Die erste K.o.-Runde ist durch – das Viertelfinale steht. Die einen brillierten sich in die Runde der letzten acht, die anderen röchelten sich rein – oder machten es historisch vom Punkt. Stimmen Sie ab: Wer hat die besten Chancen, die WM 2018 zu gewinnen und das Erbe der DFB-Elf anzutreten? Eine Einschätzung der Lage.

Go Vest! Ist bei den Engländern jetzt alles drin?

England: Nein, Angst haben muss man auch nach dem Elfmeter-Krimi gegen Kolumbien nicht vor den Three Lions. Zwar ist das Mutterland des Fußballs technisch und taktisch in der Gegenwart angekommen. Zwingend sind die jungen Wilden von Westenmann Gareth Southgate aber nicht wirklich – trotz Topscorer Harry Kane. Dass man sich die Lingards, Rashfords, Kanes und Allis der Insel leicht vom Leib halten kann, hatte schon Belgiens B-Elf beim 1:0 im letzten Gruppenspiel gezeigt. Aber von wegen x-ter Elfer-Exit: Die Angst, vom Punkt zu versagen, ist bei den Briten Geschichte und dürfte noch die ein oder andere Portion Zusatzkraft freisetzen.

Damit es aber mit dem ersten WM-Triumph nach 52 Jahren klappt, braucht es zehn Trippiers auf dem Platz. Der (meist nur Ersatz-)Mann von Tottenham Hotspur war bisher in Sachen Eier, Präsenz und Exaktheit in seinen Aktionen am vorbildlichsten. Titel-Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent.

Schweden: Drei von vier Spielen überstanden sie ohne Gegentor. Beton ist vermutlich das stärkste Pfund, mit dem die Wikinger wuchern. Doch auch offensiv hat Swinging Sweden Potenzial: Top-Torschütze mit zwei Treffern ist zwar Kapitän und Abwehr-Recke Anders Granqvist, doch bei Leipzigs Offensiv-Allrounder Emil Forsberg ist mit seinem entscheidenden Tor zum Achtelfinal-Sieg gegen die Schweiz auch endlich der Knoten geplatzt.

Mit einer erneut stabilen Defensive im Viertelfinale gegen England könnte der Traum weitergehen. Zum Stern allerdings wird es wohl kaum reichen. Titel-Wahrscheinlichkeit: 20 Prozent.

Samstag 16.00 Uhr: Schweden - England hier im Liveticker

Alles hängt von Hampelmann Neymar ab

Belgien: Auch nach dem diesjährigen Hype um die Roten Teufel drohte gegen Japan schon die große Ernüchterung. Vieles deutete darauf hin, dass die notorisch hochbegabten Belgier ihr Ding wieder nicht zu Ende bringen und mit einem lauten Knall implodieren. Doch diesmal gab es eine Explosion. Nach lupenreiner Gruppenphase (9 Punkte, 9:2 Tore) zeigte das Team um die Superstars Romelu Lukaku und Eden Hazard gegen Japan, dass sie auch eine unerschütterliche Moral haben.

Die Abhängigkeit von der vielzitierten Tagesform scheint bei unserem Nachbarn der Vergangenheit anzugehören. Gegen Brasilien folgt nun der ultimative Härtetest, wie stabil das Power-Gebilde wirklich aufgestellt ist. Sollte Belgien sich durchsetzen, ist alles möglich. Titel-Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent.

Brasilien: Die Selecao ist ohne Frage das Team mit der größten Mission. Nach dem Debakel bei der Heim-WM muss der Pott zum Zuckerhut, um die Wunde des Versagens wenigstens mit einer schützenden Kruste zu umhüllen. Ausgenommen vom 1:1 im zweiten Gruppenspiel gegen die Schweiz hat Brasilien gezeigt, dass sie in allen Mannschaftsteilen die Voraussetzungen mitzubringen, den ersehnten sechsten WM-Triumph zu holen.

Und Tites Eleven laufen: Die ansteigende Form von Neymar, Firmino, Coutinho und Co. verspricht viel. Wenn sich "Rollkoffer" Neymar als teuerster Hampelmann der Welt noch mehr auf seine Führungsrolle konzentriert, führt vermutlich kein Weg an Brasilien vorbei. Wird der Thron Realität? Titel-Wahrscheinlichkeit: 80 Prozent.

Freitag 20.00 Uhr: Brasilien - Belgien hier im Liveticker

Stapft der russische Bär ins Ziel?

Kroatien: Der Geheimfavorit ist bislang vieles schuldig geblieben. Bis auf das furiose 3:0 gegen Argentinien in der Gruppenphase konnte die Mannschaft um die Mittelfeld-Stars Luka Modric und Ivan Rakitic bisher keine überzeugende Leistung auf den Platz bringen. Im Sturm stellen sich zudem Mario Mandzukic und Bayerns Pokal-Killer Ante Rebic noch erstaunlich umständlich an.

Konstanz und Zielstrebigkeit sind die größten Mankos, an denen die Balkan-Kicker arbeiten müssen. Sonst ist auch gegen die breitbrüstigen Gastgeber Feierabend. Titel-Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent.

Russland: Sinnestrunken walzt der russische Bär durch sein Heim-Turnier. Schon Spanien hatte für die Russen im Achtelfinale eine Nummer zu groß sein sollen, doch getragen von der Fan-Euphorie im eigenen Land wachsen der Sbornaja Flügel. Regelmäßige Motivation-Calls von Putin schärfen zudem Folgsamkeit. Ein Cocktail, der Helden hervorzubringen vermag, auch wenn man spielerisch eher auf den hinteren Seiten des Fußball-Lehrbuchs stattfindet.

Endet die Reise von Modernisierungs-Architekt Stanislaw Tschertschessow im Fußball-Himmel? Titel-Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent.

Samstag 20.00 Uhr: Russland - Kroatien hier im Liveticker

Obacht vor den Urus

Uruguay: Der zweimalige Weltmeister (1930 und 1950) mausert sich zum Titelkandidaten. Die Mannschaft um die Offensiv-Maestros Luis Suarez und Edinson Cavani funktioniert einwandfrei und hat sich bisher am kompaktesten präsentiert. Die Defensiv-Künste des kleinen Staates (nur drei Millionen Einwohner) gehören schon seit jeher in jeden Guide für erfolgreichen Fußball, zusätzlich bestechen die Südamerikaner durch ein homogenes Mittelfeld und spielen ihre Konter blitzsauber aus. Letztes Opfer: Europameister Portugal um Weltstar Cristiano Ronaldo.

Sollten gegen die starken Franzosen alle (Cavani!) an Bord sein, stünden bei den Urus Tür und Tor offen für den ganz großen Coup. Titel-Wahrscheinlichkeit: 50 Prozent.

Frankreich: Nach dem spektakulären 4:3 im Achtelfinale gegen Argentinien hat die Equipe Tricolore ihren Favoritenstatus bei dieser WM eindrucksvoll zementiert. Die Ansammlung von Granaten wie Kylian Mbappe, Antoine Griezmann, Paul Pogba etc. allein aber ist noch kein Garant für den Durchmarsch. Wie fragil der zur Hälfte WM-unerfahrene Talent-Haufen von Nationaltrainer Didier Deschamps ist, konnte in bisher jedem Spiel beobachtet werden.

Der französische Rausch scheint (zumindest noch) einer Bedingung zu unterliegen: Nur wenn's läuft, läuft's - dann aber gewaltig. Titel-Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent.

Freitag 16.00 Uhr: Uruguay - Frankreich hier im Liveticker​