WM 2018: Spanien entgeht Blamage, Portugal Super-GAU

Alles andere als ein Spaziergang für die Spanier.
Alles andere als ein Spaziergang für die Spanier.
© REUTERS, FABRIZIO BENSCH, apt

25. Juni 2018 - 22:21 Uhr

Portugal vor dem Super-GAU

Goliath wankt, fällt aber nicht: Spanien ist mit einem blauen Auge davongekommen. Am letzten Spieltag in Gruppe B ist der Titelfavorit gegen Marokko nicht über ein 2:2 (1:1) hinausgekommen, zieht aber dank des Unentschiedens von Portugal als Gruppen-Erster in die K.o-Runde ein.

Für die Portugiesen wäre die Vorrunde um ein Haar mit einem Super-GAU zu Ende gegangen. Das 1:1 (1:0) gegen Iran reichte zwar für Platz 2, doch ein Treffer mehr für den Außenseiter und Cristiano Ronaldo hätte die Koffer packen müssen.

Iago Aspas rettet leblose Spanier

Wer im Rund von Kaliningrad eine spanische Gala erwartet hatte, rieb sich wohl verwundert die Augen. Der bislang punktlose Außenseiter aus Marokko kaufte dem Titelkandidaten den Schneid ab. Aggressiv. Willig. Die Nordafrikaner zeigten keinerlei Respekt vor dem Weltmeister von 2010.

Nach einem Missverständnis  - frei nach dem Motto 'Nimm du ihn, ich hab ihn sicher' - zwischen Andres Iniesta und Sergio Ramos sagte Khalid Boutaib Danke und ließ Keeper David de Gea im Eins-gegen-Eins keine Chance – 1:0 für den Underdog in der 14. Minute.

Mit dem Rückstand erwachte Spanien kurzzeitig aus dem Tiefschlaf. Iniesta mit dem Auge für Isco (19.) im Rückraum, und der Real-Akteur ließ sich nicht lange bitten. Auch nach dem Ausgleich fehlte im Spiel der Iberer die gewohnte Sicherheit. Das defensive Umschaltspiel rief bei deutschen Zuschauern in punkto Konteranfälligkeit böse Erinnerungen an das zeitweilig riskante Auftreten des DFB-Teams wach.

Kein Feuer, wenig Esprit, kein Tiki-Taka, Spanien wirkte auch nach dem Wechsel apathisch, fast leblos, und hatte in der 55. Minute riesiges Glück, dass ein Schuss von Nordin Amrabat nur das Lattenkreuz traf. Doch dieses Glück war neun Minuten vor dem Ende aufgebraucht. Nach einer Ecke stieg Youssel En-Nesyri am höchsten und brachte den Außenseiter in Führung. Erst der eingewechselte Iago Aspas (90+1.) bewahrte die Seleccion vor einer Blamage. 

Cristiano Ronaldo erwischt gebrauchten Tag

SARANSK, RUSSIA – JUNE 25, 2018: Portugal s Cristiano Ronaldo lying on the pitch in their 2018 FIFA World Cup WM Weltmeisterschaft Fussball Group B football match against Iran at Mordovia Arena Stadium. Mikhail Japaridze/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxO
Cristiano Ronaldo wollte gegen Iran so gar nichts gelingen.
© imago/ITAR-TASS, Mikhail Japaridze, imago sportfotodienst

Auch für Portugal sollte es gegen Iran alles andere als ein abendlicher Spaziergang werden. Der amtierende Europameister biss sich am persischen Abwehrverband über weite Strecken die Zähne aus. Spielerische Lösungen? Fehlanzeige! Und so brauchte es eine Einzelaktion, um den gordischen Knoten zu lösen. Ricardo Quaresma fasste sich in der 45. Minute ein Herz  - per Außenrist aus 20 Metern in den Winkel – ein Traumtor zur Führung.

Und der Superstar? Auf Tauchstation! Cristiano Ronaldo erwischte einen schwachen Tag, verschoss in der 53. Minute gar einen Elfmeter, hätte in der 81. Minute nach einer Tätlichkeit die Rote Karte sehen können, wenn nicht müsssen.

Iran blieb hingegen gefährlich, setzte immer wieder Konter. Und hatte in der Nachspielzeit Glück, dass Schiedsrichter Enrique Caceres nach einem Handspiel von Cedric auf den Punkt zeigte. Ein sehr fragwürdiger Elfer, den Karim Ansarifard verwandelte. Mit dem Mute der Verzweiflung warf Iran alles in eine Waagschale, doch das 2:1, das für den Iran das Achtelfinale und Portugal das Turnier-Aus bedeutet hätte, wollte in den letzten Sekunden nicht mehr gelingen. Das Wunder von Saransk blieb aus.