WM 2018: Der Katastrophen-Kick der deutschen Nationalmannschaft gegen Mexiko in der Analyse

Auch Thomas Müller hat noch viel Luft nach oben.
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18. Juni 2018 - 12:45 Uhr

Baustellen über Baustellen: taktisch limitiert und ohne Spielwitz

Leblos, kopflos, kampflos: Der Weltmeister ist in der Realität angekommen, und die ist bitter. Der Auftritt der DFB-Elf bei der 0:1-Niederlage gegen Mexiko glich einem Offenbarungseid. Und das in vielerlei Hinsicht. Taktisch limitiert, ohne Spielwitz, eine desaströse Zweikampfführung. Herzlich willkommen bei der WM 2018.

Jogi Löws gewagtes 2-8-System

Die Taktik: Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der Mannschaft schlichtweg ein Plan B fehlt. Ballbesitz, hohes Anlaufen, ein sicheres Passspiel - nichts von dem, was die DFB-Elf in der Ära von Jogi Löw bisher auszeichnete, wollte klappen. Zwischen den Mannschaftsteilen fehlte jede Bindung (insbesondere zwischen Mats Hummels und Jerome Boateng und dem Rest). Das Mittelfeld? Nicht existent! Die Mannschaft spielte ein gewagtes 2-8-System - für Mexiko ein gefundenes Fressen. Umso erschreckender die Tatsache, dass der Weltmeister von 2014 zu keinem Zeitpunkt des Spiels in der Lage oder willens war, sein System umzustellen. Trotz aller offensichtlich eklatanten Probleme.

Im Video: Peter Neururer zerlegt den deutschen Katastrophen-Kick

Verheerende Zweikampfbilanz

Zweikampf: Eine Umstellung der Taktik allein wird die Probleme im deutschen Spiel kaum lösen. Die Zweikampfführung, seit jeher ein Faustpfand im deutschen Spiel,  ließ  - diplomatisch formuliert - zu wünschen übrig. 44 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind eines Weltmeisters nicht würdig. Vor der Pause verloren Toni Kroos, Sami Khedira und Mesut Özil sage und schreibe 14 von 16 Zweikämpfen, ein katastrophaler Wert. Was fehlte? Der Biss, die Gedankenschnelligkeit, der unbedingte Wille!

Das Personal: Nein, dieses Spiel bietet sich nicht an, einzelne an den Pranger zu stellen. Und so können einzelne Spieler nur stellvertretend für eine Gesamtkritik stehen. Zum Beispiel Joshua Kimmich. Der Rechtsverteidiger agierte vogelwild. Seine offensiven Ausflüge waren für die Mexikaner das Einfallstor zum Konterspiel. Lerneffekt bei Kimmich? Im Spiel gleich null. Der WM-Debütant rannte unentwegt immer wieder ins offene Messer. Ebenso Sami Khedira. Der Mittelfeldspieler trabte desorientiert, beinahe lustlos über den Platz. Eine Nicht-Leistung, die Ilkay Gündogan Hoffnung auf einen WM-Einsatz gemacht haben dürfte.

Ulrike von der Groeben hat viel zu besprechen, doch schöpft auch Hoffnung

Auch für RTL-Sportmoderatorin Ulrike von der Groeben ist klar: Der Auftritt der deutschen Mannschaft lässt zwischen Wut und Enttäuschung schwanken, doch ihre Hoffnung auf Besserung ist unverwüstlich.

Thomas Müller, der Unsichtbare

Apropos Nicht-Leistung. Was war eigentlich mit Thomas Müller los? Dem Bayern-Star will man kaum einen Teilnahmenachweis ausstellen. Eine Personalie, an der sich ein anderes Problem in der deutschen Mannschaft entzündet. Und auch wenn die Debatte ermüdet: Von den sogenannten Führungsspielern fehlte jede Spur. Kein Aufbäumen, keine Aggressivität, eine desaströse Körpersprache.

Und jetzt? Es gibt viele Fragen, die erstmal unbeantwortet bleiben. Der DFB sagte die obligatorische Pressekonferenz für den Tag nach dem Spiel kurzerhand ab. Auch eine Premiere - und das falsche Signal! Alles muss sich ändern, wirklich alles.