WM-Titel 1990

Heute vor 30 Jahren: Der erste wiedervereinte Erfolg

08. Juli 2020 - 8:34 Uhr

1990 - ein magischer Fußball-Sommer

Der WM-Triumph 1990 machte Franz Beckenbauer endgültig zur Lichtgestalt. Der knappe Sieg im Finale gegen Argentinien bescherte Deutschland nach dem Fall der Mauer das erste große gemeinsame Erfolgsereignis.

1990: Deutschland wird zum 3. Mal Weltmeister

Die Ausgangslage: Deutschland war in den vergangenen acht Jahren zweimal in Folge im WM-Finale gescheitert (1982 gegen Italien und 1986 gegen Maradonas Argentinien). Politisch und gesellschaftlich sind es brisante Zeiten: Die Berliner Mauer fiel im November 1989, Deutschland stand vor der lang ersehnten Einheit. Erst tanzten die Deutschen zu David Hasselhoffs "Looking for Freedom" und "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen, im Sommer dann passenderweise zu "Un'estate italiana" – dem ersten offiziellen Soundtrack einer WM.

Auch spannend: Das machen die WM-Helden von 1990 heute

Rene Higuita
Rene Higuita stand für das kolumbianische Team in der Vorrunde gegen Deutschland im Tor.
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Die Weltmeisterschaft ebnete den 90ern den Weg – bunt, schrill, fragwürdige Trikots und schnieke Frisen.

Deutschland Holland 1990
Viel Aufregung: Die Spuck-Attacke beim Spiel Niederlande gegen Deutschland erhitzte die Gemüter.
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Legendär war schon das Achtelfinale zwischen Holland und Deutschland – vor allem wegen der unrühmlichen Spuck-Attacke von Frank Rijkaard gegen Wuschelkopf Rudi Völler und dem doppelten Platzverweis. Im Halbfinale setzte sich das Team von Teamchef Franz Beckenbauer – klar – im Elferschießen gegen England durch. Das Finale war somit eine Wiederauflage und Revanche gegen die "Gauchos".

Guido Buchwald und Diego Maradona
Auf Schritt und Tritt: Guido Buchwald machte Superstar Diego Maradona das Leben im Finale zur Qual.
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Im Finale am 8. Juli 1990 gegen Argentinien avancierte Guido Buchwald dann zum Maradona-Schreck, der Ballzauberer machte kaum einen Stich gegen den Manndecker-Schwaben. Andreas Brehme behielt kurz vor Schluss (85.) vom Elfmeterpunkt die Nerven, obwohl die Argentinier Psychospielchen ausprobierten.

"Die haben mit dem Schiri diskutiert, den Ball weggehauen. Da muss man hochkonzentriert sein", erklärte Brehme im RTL-Interview. Der eigentliche Elferschütze Lothar Matthäus fühlte sich nach einem Schuhwechsel nicht sicher genug. "Elfmetertöter" Sergio Goycochea, den Brehme übrigens für den besten "Elferkiller" hält, war machtlos. Deutschland gewinnt knapp mit 1:0. Stern Nummer drei für das DFB-Team war perfekt.

Unvergessen: Franz Beckenbauers gedankenverlorener Streifzug durchs brodelnde römische Olympiastadion nach der Siegerehrung. Als Spieler und Trainer hatte er den WM-Titel geholt – der "Kaiser" war wieder auf dem Thron. Nur mit seiner euphorischen Vorhersage sollte er nicht ganz recht behalten. Deutschland sei nun, im Zuge der Einheit und dem neuen Pool an Spielern aus der DDR, auf "Jahre hinweg unschlagbar", prophezeite er. Naja, fast.