Ex-Schwergewichts-Champion Wladimir Klitschko

"Ich bin George Floyd"

Hamburg Wladimir Klitschko gewinnt in der Kategorie Comeback des Jahres Herqul German Boxing Awards
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01. Juni 2020 - 0:25 Uhr

Klitschko-Appell gegen Rassismus

Die USA werden von einer heftigen Protestwelle überrollt, die auf den Fall George Floyd zurückgeht. Der Afroamerikaner starb mutmaßlich an den Folgen eines brutalen Polizeieinsatzes, von dem ein Video existiert. Mit Waldimir Klitschko hat sich nun ein weiterer Sportler zu Wort gemeldet.

"Freunde, ich verurteile Rassismus", sagt der ehemalige Schwergewichts-Champ zu Beginn des Twitter-Videos, in dem er Englisch spricht. Er habe das Glück gehabt, als Sportler international herumgekommen zu sein. "Sport ist multi-national", sagt Klitschko. Und insbesondere im Kampfsport herrschten Respekt und Anerkennung - egal, woher der Kontrahent stamme.

"Wir alle sind Menschen"

"Ich ermutige jeden, sich zu bilden", sagt Klitschko. "Zu lesen, zu lernen und Vielfalt zu genießen." An einem Beispiel erklärt er, wie wichtig es ist, Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Das alte Sprichwort "Man kann ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen" könne nicht angemessener sein als jetzt. "Wir haben viele Bücher im Regal. Manche sind gut, manche sind besser, die meisten aber sind einfach wunderbar", sagt Klitschko. Aber wer sie nie anfasse, werde das nie erfahren: Erst, wenn man den Dingen eine Chance gebe, das Buch öffne, offen herangehe, dann könne Liebe den Hass besiegen.

"Wir alle sind Menschen. Wir haben richtige Probleme, wie Pandemien, den Klimawandel oder andere Schwierigkeiten im Leben", sagt der Ukrainer. "Die Hautfarbe, das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung sind das, was uns zu Menschen macht. Sie haben nichts mit unseren Fähigkeiten, den Gefühlen, der Intelligenz oder dem Wert für die Gesellschaft zu tun."

Klitschko: "Ich bin George Floyd"

Schließlich erinnert sich Klitschko an Box-Legende Muhammad Ali. Nachdem Ali sich zum Islam bekannt und seinen Geburtsnamen Cassius Clay abgelegt hatte, weigerte sich Gegner Ernie Terrell, ihn mit seinem neuen Namen, Ali, anzusprechen. Ali frage Terrell mitten im Kampf: Wie ist mein Name? Klitschko: "Nun sollten wir für die Unschuldigen sprechen. Und für die, deren Stimmen nicht gehört werden", sagt Klitschko. "Ich bin George Floyd."