Diskussion nach umstrittenem Scherz von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer

Witze im Karneval: Was geht und was nicht?

© dpa, Patrick Seeger, pse fdt lof

4. März 2019 - 17:15 Uhr

Kostüm an, Pappnase auf – und dann ist alles erlaubt: Welcher Witz unter der Gürtellinie ist wirklich in Ordnung? Diese Frage spaltet heute Deutschland nach dem Witz über Intersexuelle der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) bei einer Fastnachtsrede in Baden-Württemberg.

Jetzt abstimmen: Sollte sich AKK entschuldigen?

Sie hatte gesagt: "Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen." Das Gelächter im Saal war groß – doch jetzt empören sich viele. Grünen-Chefin Annalena Baerbock etwa findet nicht, dass an Karneval Ausnahmen erlaubt seien: "Die Frage von Anti-Diskriminierung stellt sich 365 Tage im Jahr."

Ist AKK zu weit gegangen?

AKK ist nicht die erste, die im Karneval die Moralfrage um die Ohren gehauen bekommt. Erst im Februar hatte der Kabarettist Bernd Stelter einen Witz über Frauen mit Doppelnamen gemacht (ausgerechnet über Kramp-Karrenbauer) – eine Zuschauerin kam auf die Bühne und kritisierte ihn, andere Kritiker sprangen ihr bei. Doch viele finden auch: So ein Scherz, auch auf Kosten anderer, müsse gehen, gerade dafür sei Karneval doch da.

2015 war es übrigens genau andersrum: Damals verbot die Stadt Köln Umzugswagen mit Bezug zu Terrorismus – kurz vor der Karnevalszeit hatten islamistische Angreifer in Paris die Satirezeitung "Charlie Hebdo" angegriffen. Viele interpretierten das Kölner Verbot als Einknicken vor Kritik und Gewalt.

Jetzt wird kritisiert, dass die Satire von Kramp-Karrenbauer zu weit geht. SPD-Generalsekretär Klingbeil zum Beispiel twittert:

Ist der Witz der Vielleicht-bald-Kanzlerin also geschmacklos? Viele sagen: Nö! Gerade zur Karnevalszeit müssten auch Witze unter der Gürtellinie erlaubt sein. Landwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) schreibt:

Im Karneval werden Witze über alles Mögliche gemacht: Männer, Frauen, Dünne, Dicke. Klar ist aber auch: Dieser Fall betrifft eine Minderheit. Falls die Toiletten fürs dritte Geschlecht wirklich eingeführt werden, dann nicht aus Spaß. Tausende Menschen lassen sich bei Geburt nicht als Mann oder Frau einordnen – mit OPs oder Hormonen werden sie dann einem Geschlecht zugewiesen. Ob man Witze über die Intersexuellen machen darf – darüber aber gibt es ganz offensichtlich verschiedene Ansichten.