2018 M09 17 - 9:18 Uhr

Interessante Fakten rund ums Oktoberfest

Die Hotels sind ausgebucht, die Straßen verstopft, die U-Bahnen trotz Extra-Zügen überfüllt: München schaltet am 22. September, wieder in den Oktoberfest-Modus. Doch das, was viele nur als großes, buntes Volksfest kennen, fand seinen Ursprung in einer romantischen Liebesgeschichte. Womit alles begann und wie das Oktoberfest entstand, das sehen Sie in unserem Video. Außerdem verraten wir Ihnen neun spannende Fakten für das perfekte Wiesn-Wissen.

Warum heißt die Wiesn Wiesn?

Solitärbaum, Linde (Tilia), auf Hügel, davor blühendes Feld vom Hahnenfuss (Ranunculus sp.), Neuheim, Kanton Zug, Schweiz, Europa *** Solitary tree Linde Tilia on hill in front of blooming field of buttercup Ranunculus sp Neuheim Canton Zug Switzerla
Mit einer idyllischen Wiese hat die Wiesn nur wenig zu tun.
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Wer an saftiges Gras und bunte Blumen denkt, liegt falsch. Vielmehr wächst auf dem 34 Hektar großen Gelände kaum ein Halm. Dort, wo früher einmal tatsächlich eine grüne Fläche war, ist heute alles voller Schotter. Wiesn heißt das Fest, weil es auf der Theresienwiese gefeiert wird - benannt nach der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Nur im Süden des Geländes gibt es ein Stück Wiese, dort befindet sich jedoch ein Parkplatz. Blumen wachsen nur in den großen Betonkübeln, die die Zufahrtsstraßen rund um das Volksfest gegen mögliche Terrorangriffe schützen sollen. Übers Jahr ist die Theresienwiese eine Freizeitfläche für Anwohner, Hundebesitzer und Jogger.

Oktoberfest im September?

Die Wochenübersicht eines Kalenders im Vintage-Look
Das Oktoberfest beginnt seit mehr als hundert Jahren im September.
© iStockphoto

Ursprünglich wurde das Oktoberfest wirklich in dem Monat gefeiert, der ihm den Namen gab: Ganz München feierte die Hochzeit von Kronprinz Ludwig I. mit Therese von Sachsen-Hildburghausen, und zwar vom 12. bis zum 16. Oktober 1810. In den folgenden Jahren wurde das Fest wiederholt. das Vergnügungsangebot mit Fahrgeschäften und Buden wuchs stetig. Allerdings kann es im Oktober schon ziemlich kalt sein, und schlechtes Wetter bedeutete: schlechtes Geschäft. 1904 beschloss der Magistrat deshalb offiziell die Vorverlegung in den September. Schon 1829 hatte es entsprechende Vorschläge gegeben, die aber aus Rücksicht auf umliegende Bauern abgelehnt wurden – sie sollten ihre Ernte einbringen, bevor Besucher diese niedertrampelten.

Das Maß ist voll: Bier auf der Wiesn

ARCHIV - 24.09.2017, Bayern, Munich: Wiesn-Besucher prosten sich gegenseitig mit Bierkrügen zu. (zu dpa-Korr: «Vom Anbandeln und Kronprinz Ludwig - Wissenswertes zu der Wiesn» vom 16.9.2018) Foto: Tobias Hase/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Darf auf dem Oktoberfest nicht fehlen: die Maß Bier.
© dpa, Tobias Hase, tha tba sd kne wst

Bier ist die wichtigste Essenz des ganzen Festes. Rund 7,7 Millionen Liter rannen im vergangenen Jahr durch durstige Kehlen. Es wird nur literweise als sogenannte Maß ausgeschenkt – in diesem Jahr müssen die Gäste dafür bis zu 11,50 Euro auf den Tisch legen. Mit gut sechs Prozent Alkohol ist das Oktoberfest-Bier stärker als gewöhnliches – manch einer bemerkt das erst, wenn es zu spät ist. Mehrere Hundert Besucher müssen deshalb alljährlich auf der Sanitätswache behandelt werden. Ist der Maßkrug leer, scheint er vielen als schönes Souvenir: Rund 120.000 Mal wurden Gäste im vergangenen Jahr beim Klau-Versuch erwischt.

Tropische Temperaturen

ARCHIV - 24.09.2017, Bayern, Munich: Menschenmassen drängen zu Beginn des Oktoberfest 2017 über die Strassen des Festgeländes. (zu dpa-Korr: «Vom Anbandeln und Kronprinz Ludwig - Wissenswertes zu der Wiesn» vom 16.9.2018) Foto: Tobias Hase/dpa +++ dp
Auf der Wiesn wird's nicht nur eng, sondern auch heiß.
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Feucht, warm, fast tropisch könnte man das Klima auf der Wiesn nennen. Denn dort kann es bis zu zehn Grad wärmer sein als sonst in der Stadt, und die Luftfeuchtigkeit liegt ein Drittel höher, wie der Bonner Meteorologe Karsten Brandt bei Messungen herausfand. Zu zwei Dritteln heize die Masse – manchmal sind es 350.000 Gäste am Tag – selbst das Klima auf. Denn ein Mensch erzeuge 80 Watt - so viel "wie eine große alte Glühbirne", sagt Brandt. Lichter, Fahrgeschäfte, Hendl-Bratereien und Küchen tun ihr Übriges. Der Erdgasverbrauch auf dem Oktoberfest lag 2017 Jahr bei 224.000 Kubikmetern und der Stromverbrauch bei 3,25 Millionen Kilowattstunden. Zu Spitzenzeiten braucht die Wiesn damit so viel Energie wie eine Kleinstadt.

Flirten mit Spezialcodes

08.09.2018, Bayern, Herrsching: Die Models Christine Klenner (l-r), in Dirndl Liebe, (l-r) Miriam Franz, in Trachten Angermaier, Katarina Pauer, in Samtherz, Sabrina Rettenbeck, in Cocovero und Ksenija Schmidtke, in Dirndlpunk by Angelika Zwerenz ste
Mit ihrem Dirndl können Frauen auf der Wiesn eindeutige Signale senden.
© dpa, Felix Hörhager, hoe fdt

In der schwülen Wärme, bei Bier und fetzigen Schlagern kommt man sich leicht näher. Bei der Dame zeigt die Dirndlschürze, wie es um sie steht: Schleife links: zu haben. Rechts: vergeben. Bei den Männern gibt es diese subtile Möglichkeit nicht. Für sie haben Marketingexperten Gummibänder fürs Handgelenk entwickelt, auf denen steht: "Mogst obandln?" Der Spruch findet sich auch auf Lebkuchenherzen wieder, die Mann plakativ auf der Brust tragen kann. Spezielle Wiesn-Flirt-Apps helfen, dass die Suche nicht erst im Bierzelt beginnt.

Munterer Virenaustausch

Woman suffering from influenza sleeping in bed
Nach dem Fest ist für viele erst mal Bettruhe angesagt.
© Getty Images, South_agency

Ein paar Tage nach dem Start geht es meist los: triefende Nasen, schlappe Glieder. Die Wiesn ist eine große Virenbörse, denn die Erreger werden in der Enge leicht ausgetauscht. Zudem schwächt Alkohol die Abwehr; die feuchtwarme Atmosphäre ist für Viren ein gutes Umfeld. Streng wissenschaftlich erwiesen ist der Zusammenhang nicht. Berichtet von Arztpraxen zufolge beginnt das herbstliche Gehuste im Raum München allerdings früher als im Rest Deutschlands. Es handelt sich meist aber nicht um die echte Grippe. Gute Nachricht: Magen- und Darminfektionen sind selten.

Oktoberfest für Kinder?

Kinder in Tracht schauen am 21.09.2013 auf dem Oktoberfest in München (Bayern) dem Trachten- und Schützenumzug zu. Die Wiesn findet in diesem Jahr vom 21.09. bis 06.10.2013 statt. Foto: Andreas Gebert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Für Kinder kann ein Oktoberfest-Besuch sehr anstrengend sein.
© dpa, Andreas Gebert

Karussells, Geisterbahn, Zuckerwatte - ein Traum für jedes Kind. Sollte man meinen. Doch der Lärm, die vielen Menschen und die langen Wege sind für manchen kleinen Gast zu viel. Nicht selten gehen Kinder im Gedränge verloren: Im vergangenen Jahr landeten fünf Minderjährige in der "Kinderfundstelle" und wurden dort den Eltern zurückgegeben. Vormittags kann das Volksfest jedoch durchaus kindgerecht sein. Es gibt Vergünstigungen für Familien, und auf dem"Familien-Platzl" geht es ruhiger zu.

Tradition trifft Moderne

Bayerische Trachtler tanzen am Samstag (28.05.2011) in einem Festzelt in Weilheim (Oberbayern) vor Preisrichtern und Zuschauern. Beim "Preisplattln" um den "Bayerischen Löwen" treten die besten Schuhplattler und Dreherinnen aus den einzelnen bayerisc
Traditionelle Tänze sind ein wichtiger Aspekt der Wiesn.
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Historische, teils hundert Jahre alte Fahrgeschäfte, Jahrmarktorgeln, Schuhplattler, Volkstanz: Vor allem auf der Oidn Wiesn geht es traditionell zu. Zugleich erleben auf dem Oktoberfest neueste Fahrgeschäfte ihre Premiere. Der fünffache Olympia-Looping eröffnete hier 1989 als weltgrößte transportable Achterbahn. Dieses Jahr kommt das "Chaos Pendel", das in 42 Metern Höhe die Fahrgäste herumwirbelt, dazu.

Kuriose Fundsachen

Fundsachen im Fundbüro der Berliner Verkehrsbetriebe
Jedes Jahr werden kuriose Dinge auf der Wiesn vergessen.
© deutsche presse agentur

4055 Dinge blieben im vergangenen Jahr liegen und stapelten sich in den Regalen des Wiesn-Fundbüros bis unter die Decke. Darunter waren eine Tuba, ein Kinderautositz und zwei Bootspaddeln - und wie fast jedes Jahr ein Paar Krücken. Auch Rollstühle und Gebisse werden regelmäßig vergessen, auch wenn es von letzteren immer weniger gibt – womöglich wegen der Implantatkünste der Zahnärzte.


Quelle: DPA/RTL.de